Veränderungen
von Axel Speitmann
No King ever ordered a revolution.
Chris Brogan
Wer etwas komplett Neues macht, der darf nicht allzu viel Unterstützung erwarten von denen, die gerade am Ruder sitzen. Das gilt in diesen Tagen nicht nur für die Politik, in der derzeit die wenigsten erwarten, dass sich grundlegende Dinge ändern werden. Das gilt genauso für das wirtschaftliche, ökologische, soziologische und kulturelle Umfeld.
Wir sind geprägt durch das, was war. Und die meisten von uns versuchen den Status Quo zu erhalten. Vor allem natürlich, die, die am meisten davon profitieren. Die Könige. Könige sind in unserer Zeit nicht unbedingt nur gekrönte Häupter. Es sind die, die die Macht haben. Und die Lobby. Und das Geld.
Klar wollen die, dass möglichst alles so bleibt, wie es ist. Keine Veränderung bedeutet kein Stress. Keine Revolution bedeutet, ich behalte meine Position, mein Geld, meinen Thron. Neue Dinge bedeuten Veränderung. Bedeuten Umwälzungen. Bedeuten zunächst einmal Unsicherheit. Können zu Änderungen von Besitzverhältnissen, Machtverhältnissen und des persönlichen Status führen. Wer will das schon, wenn er oben auf der Leiter steht.
Jede Revolution kommt deshalb nicht von oben. Kein König bestellt eine Revolution. Das Volk ist es, das die Revolution will. Das Volk ist es, das nach Veränderung ruft.
Das Internet: Megafon für Revolutionäre
Ich habe in letzter Zeit sehr viel nachgedacht über die vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet und die vielen verschiedenen Social sites und social webs, die sich in den letzten Jahren gebildet haben, bieten. Es ist schon erstaunlich mit wie wenig Aufwand man heute im Vergleich zu früher etwas bewegen kann.
Wer vor hundert Jahren „Revolution“ geschrien hat. Der hatte bei gutem Stimmvolumen eine Reichweite von vielleicht hundert Metern. Wer vor vierzig Jahren „Revolution“ gerufen hat, der war sehr schnell im Fernsehen und erreichte theoretisch hunderttausende. Wer heute zur Revolution aufruft, der kann in Sekunden Millionen von Menschen weltweit erreichen, die die gleiche Sprache sprechen.
Die Mittel eine Revolution auszurufen sind vielfältig und mächtig. Doch die Resonanz ist mäßig. Woran liegt das? Vielleicht daran, dass viele von uns sich wie die Könige aufführen?
König auf dem eigenen Misthaufen
Jeder ist der König seines eigenen kleinen Misthaufens. Und wer auf einem Misthaufen sitzt, der möchte eines auf keinen Fall. Umwälzungen. Auch wenn es noch so stinkt; auf dem Misthaufen zu sitzen und sich wie ein König zu fühlen, ist immer noch besser, als unter dem Mist zu liegen.
Ist es das, was uns davon abhält, den Mist gegen etwas Besseres einzutauschenß Die Angst davor unter die Räder zu kommen und im Mist zu landen.
Es gibt ja wenig Positionen im Leben, wo man sagen könnte, tiefer geht es nicht mehr. Vielleicht sehen deshalb die meisten von uns Besitzstandwahrung und Festigung des Status Quo als wichtiger an, als wirklich wichtige Veränderungen anzupacken. Vielleicht ist es auch die Angst, alleine da zu stehen. Mit einer neuen Idee. Einer revolutionären Idee. Die keiner will.
Runter vom Misthaufen
Wer etwas verändern will, der muss von seinem eigenen kleinen Misthaufen heruntersteigen. Er muss die Möglichkeit einkalkulieren, dass er keine Unterstützung bekommt. Und, dass er mitten im Mist landet.
Wer etwas verändern will, der sollte die Krone des „Misthaufenkönigs“ absetzen und eine Revolution ausrufen. Eine politische, eine technologische, eine ökologische eine soziologische eine persönliche; ganz egal.
Vielleicht kannst Du ja ein paar andere „Misthaufenkönige“ ebenfalls bewegen von ihrem Thron herunter zu steigen. Und mit Dir zu rufen. Dann könnt ihr gemeinsam gegen die Könige auf den richtig großen Misthaufen anstinken.
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