Urlaub mit Jugendlichen

© S. Hofschlaeger/ PIXELIO www.pixelio.de

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von Axel Speitmann

Über effektives und angenehmes Reisen.

Urlaubszeit. Reisezeit. Deine Kinder sind inzwischen Teenager? Vielleicht ist es inzwischen ein Kampf zwischen dir und deinem Kind darüber, wohin man fährt, was man macht, oder ob ihr überhaupt gemeinsam in Urlaub fahrt. Vielleicht wollen Sie noch nicht alleine in Urlaub fahren. Vielleicht willst Du auch noch nicht loslassen.

Je älter die Kinder werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch im Urlaub eigene Wege gehen. Dass bedeutet, dass Interessen von Eltern und Kindern unter Umständen doch deutlich auseinander driften. Wie kann man trotzdem einen erholsamen und schönen Urlaub gemeinsam verbringen? Wie kann man Streit und schlechte Laune, die den Erholungsfaktor trüben, von Anfang an minimieren?

Was will dein Kind?

Schon im ersten Beitrag zum Thema Urlaub habe ich darauf hingewiesen, dass man mit der richtigen Planung schon so einige Probleme von vornherein vermeiden kann. Dazu gehört auch, dass man sich als Erwachsener Gedanken macht, ob das Urlaubsziel und die Freizeitmöglichkeiten vor Ort den Erwartungen meines Kindes in etwa entsprechen. Wenn es nichts gibt, worauf sich dein Kind am Urlaubsort freuen kann und der Teenager nur widerwillig mit will, dann lass es gleich daheim.

Das klingt vielleicht hart, ist aber vermutlich für beide Seiten die bessere Lösung. Wenn Du der Meinung bist, dass dein Kind nicht alleine Zuhause bleiben sollte, schlag einen Besuch bei Freunden oder Verwandten vor, oder die Teilnahme an einer Freizeit.

Ein Jugendlicher, der gewohnt ist jedes Wochenende in die Disco zu gehen, oder viel Zeit vor dem Computer verbringt, wird sich unter Umständen auf einer einsamen Berghütte zu Tode langweilen. Ein sportlich interessierter Teenager will wahrscheinlich nicht mit den Eltern stundenlang am Strand rumhängen. Und den ganzen Tag auf die kleinen Geschwister aufpassen wollen sie schon gar nicht.

Lass dein Kind teilnehmen an Planung und Vorbereitung des Urlaubs

Was kannst Du also tun, damit der Urlaub auch für dein jugendliches Kind Spaß macht und ihr gemeinsam eine erholsame und schöne Zeit habt? Sehr hilfreich kann es sein, die Teenager schon von Anfang an mit in die Urlaubsplanung einzubeziehen und ihnen auch einen Teil der Urlaubsvorbereitungen zu übertragen. Wenn sie mit verantwortlich für die Planung und die Gestaltung des Urlaubs sind, sind sie auch mitverantwortlich dafür, dass es aus ihrer Sicht ein Erfolg wird. Sie können selber Ideen einbringen und befassen sich schon frühzeitig damit, was sie im Urlaub machen können und machen wollen. Im Gespräch kann man so schon einige Minen beiseite räumen, die sonst vielleicht im Urlaub explodieren.

Dein Kind wird flügge

Jugendliche sind wie kleine Vögel, die sich anschicken das Nest der Eltern zu verlassen. Sie unternehmen erste Flug- und Fluchtversuche, sind aber immer noch darauf angewiesen, dass die Eltern auf sie achten, sie beschützen und sie füttern.


Auch dein Kind ist auf dem besten Wege das Nest zu verlassen und die ersten Flugversuche zu machen. Sein Radius erweitert sich. Es will die Welt erkunden. Es will selber Entscheidungen treffen. Und der Urlaub ist eine besonders gute Möglichkeit dazu. Wer also versucht, den Teenager an sich zu ketten und ihm keine Gelegenheit gibt, auch mal eigene Wege im Urlaub zu gehen, der hat Stress vorprogrammiert.

Hier gilt es, ein Gleichgewicht zwischen gemeinsamer Zeit und individueller Gestaltung zu finden. Das ist abhängig von vielen Faktoren. Menschen sind sehr unterschiedlich. Ebenso ihre Interessen im Urlaub. Während das schon bei einem Paar zu Problemen führen kann, potenziert sich das mit jeder weiteren Person, die ebenfalls eigene Vorstellungen davon hat, was der Urlaub bringen soll.

Regeln helfen

Ich denke, was hier hilft, sind klare Absprachen und Regeln. Es werden Zeiten oder Aktionen vereinbart, die ihr gemeinsam verbringt. Und auch Zeiten, die jeder frei für sich nutzen kann. Genauso wie daheim sollte klar sein, was Du von deinem Kind erwartest. Zum Beispiel, wann es abends wieder daheim sein soll, ob es sich abmelden muss, was Dein Kind darf und was definitiv nicht. Je klarer die Absprachen und Regeln sind, umso besser.

Dabei sollen diese Regeln nicht einengen, sondern einen großzügigen Rahmen setzen innerhalb dessen dein Kind seine „Flugversuche“ machen kann. Das dabei die Ansichten darüber, was ein „großzügiger Rahmen“ ist, unterschiedlich sein können, ist selbstverständlich.

Es gibt Dinge, über die man generell mit seinen Kindern sprechen sollte, wenn sie in ein gewisses Alter kommen. Das sind unter anderem Sex und Verhütung, die Gefahren durch Alkohol und Drogen und der Umgang mit fremden Kulturen. Gerade bei pubertierenden Jugendlichen sind das Themen, die im Urlaub akut werden können, auch wenn sie vorher nicht aktuell waren. So etwas kann man nicht planen. Wenn die erste Liebe dein Kind ausgerechnet im Urlaub erwischt, dann wird alles andere aus seiner Sicht unwichtig.

Und was kannst du machen?

Im Urlaub mit Jugendlichen muss man einfach auf mehr Überraschungen gefasst sein und bereit sein etwas mehr zu improvisieren. Teenager sind wankelmütig, manchmal träge, lustlos und nicht darauf aus den Großteil ihrer Zeit mit den eigenen Eltern zu verbringen. Sie wollen ausschlafen, brauchen Zeit für sich und wollen eigenbestimmt den Tag verbringen. Sie müssen sich mit Pickeln rumschlagen und machen erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht.

Da ist von Seiten der Eltern auch manchmal einfach ein bisschen Verständnis und Zurückhaltung gefordert. Was da vor Dir steht ist „ein kleiner Erwachsener“! Den nimmt man nicht mehr mal eben auf den Arm und schleppt ihn überall mit hin, wie man das mit dem Kleinkind machen konnte.

Mach es wie die Vogeleltern. Bleibe wachsam in einiger Entfernung und beobachte. Lass dein Kind die Flügel ausbreiten. Beschütze es, wenn Gefahr droht. Und lass ihm alle Freiheiten, um die Welt zu entdecken. Spätestens wenn er Hunger bekommt, meldet sich der „kleine Vogel“ wieder bei dir!



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25 Jun 2009 | in stressfreier leben » | Kein Kommentar

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