Übererfüller

Foto von istockphoto.com

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von Axel Speitmann

Es gibt Menschen, die versprechen, dass sie dir die Sterne vom Himmel holen. Oder, dass sie dir jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Oder, dass sie dich in null-komma-nix reich machen. Oder berühmt. Oder glücklich. Nur tun sie es dann leider nicht.  Viel zu versprechen ist nicht schwer. Das kann jeder Dummschwätzer. Versprechen zu halten und Zusagen wahr zu machen, dass ist das Maß an dem unser Reden gemessen wird.

Nichts ist schlimmer als von Menschen, die wir kennen und denen wir vertrauen enttäuscht zu werden. Und das geschieht sehr schnell, wenn wir unsere Zusagen nicht einhalten. Dabei muss es nicht um so Weltbewegendes wie „die Sterne vom Himmel holen“ gehen. Da kann die Enttäuschung schon groß sein, wenn Du zusagst zu einem wichtigen Termin pünktlich zu sein und dann weit und breit nichts von dir zu sehen ist.

Einfach nichts mehr versprechen?

Immer da, wo dein Reden nicht deinem Handeln entspricht, wirst Du Menschen enttäuschen. Also ist es doch am Besten, wir versprechen niemandem mehr etwas, wir sagen nichts mehr zu, wir werden einfach komplett unverbindlich. Dann haben wir unsere Ruhe und treten niemandem mit unserem Verhalten zu Nahe. Tja, mal abgesehen davon, dass das sehr selbstsüchtig und feige ist, wenn wir uns vornehmen in nichts mehr verbindlich zu sein, es ist trotzdem keine Lösung.

Denn vielfach gibt es zwischen Menschen unausgesprochene Erwartungen, die, wenn sie nicht erfüllt werden, ebenfalls zu Enttäuschungen führen. Diese Erwartungshaltung anderen Menschen gegenüber ist ganz normal, wenn wir diesen vertrauen. Von solchen Menschen erwarten wir, dass wir ihnen wichtig sind, dass sie sich um uns bemühen und alles tun, damit es uns gut geht. Tun sie das nicht, missachten sie ein unausgesprochenes Versprechen. Das Versprechen der gegenseitigen Rücksichtnahme und Fürsorge.

Enttäuschungen vermeiden

Was also machen wir, wenn wir nicht wollen, dass andere von unserem Verhalten enttäuscht sind? Zunächst einmal auf dem Boden der Tatsachen bleiben und Versprechen, die wir eingehen wirklich abwägen. Kann ich das, was ich zusage, auch wirklich einhalten? Kann ich das nur jetzt, oder auch irgendwann in der Zukunft, wenn dem Anderen gerade in den Sinn kommt, dass ich da mal was versprochen habe?

Bevor wir etwas zusagen, einen Moment innehalten und überlegen: Will ich das wirklich versprechen? Kann ich das auch einhalten? Dein Reden sollte klar und eindeutig sein. Gemessen wirst Du jedoch an den Taten die folgen. Versprech nicht die Sterne vom Himmel zu holen, denn das kannst Du nicht. Vielleicht, wenn Du Astronaut bist, kannst Du ein bisschen Mondstaub versprechen. Aber mehr wohl kaum. Bleibe realistisch in dem, was Du versprichst.

Sei realistisch. Verspreche, was Du halten kannst. Liefere ein kleines „Extra“.

Versuche ein Übererfüller zu werden. Sage Dinge zu, die Du definitiv einhalten kannst. Und liefere MEHR. Dein Anspruch sollte sein, verbindlich zu sein. Verlässlich und würdig das Vertrauen von Anderen zu bekommen. Wenn Du das schaffst und hin und wieder deine Mitmenschen als Übererfüller überraschst, machst du sie glücklicher, als wenn Du ihnen das Blaue vom Himmel versprichst.

Und was ist mit den unausgesprochenen Erwartungen? Wie soll ich ein Versprechen halten, dass ich nicht wissentlich und willentlich gebe? Denken wir einmal kurz nach. Um was für Erwartungen handelt es sich dabei? In den meisten Fällen doch um Erwartungen, die ganz natürlich sind zwischen Menschen, die sich nahestehen. Eben das, was auch wir von anderen erwarten: Verantwortungsgefühl, Verlässlichkeit, Treue, Verbindlichkeit, Rücksicht. Und je enger die Beziehung zwischen zwei Menschen sind, umso größer die unausgesprochene Erwartungshaltung.

Wenn wir mal tief in uns hinein horchen, dann ist es doch auch genau das, was wir von anderen erwarten. Wir können also sehr gut ermessen, was die unausgesprochene Erwartungshaltung des Anderen ist. Und so wissen wir, was wir versprechen, indem wir diese Beziehung mit anderen Menschen eingehen. Und Übererfüller wissen, das die Differenz zwischen Enttäuschen und überraschen manchmal schon sehr klein ist. Denn übererfüllen muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man massig übererfüllt.

Übererfüller. Glücklichmacher.

Manchmal reicht es marginal mehr anzuliefern, als erwartet wird und es wird als positive Überraschung wahrgenommen. Liefer das kleine „Extra“. Das, was Du nicht versprichst ( und trotzdem hältst). Gib den Bonus, den man nicht erwartet. Das kann ein (extra) Lächeln sein. Eine Stunde Zeit zum Reden. Hilfe bei einer unangenehmen oder langweiligen Arbeit. Unterstützung beim Lernen. Es gibt tausend Möglichkeiten ein bisschen mehr zu tun, als nötig.

SO macht man Menschen glücklich!


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17 Aug 2009 | in zufriedener leben » | Kein Kommentar

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