Sicherheitsdenken – ein Leben nach Fahrplan

Foto von istockphoto.com

Foto von istockphoto.com

von Axel Speitmann

Wer kennt das nicht? Wir planen eine Reise. Wir packen den Koffer. Und weil wir nicht wissen, was uns am Ziel erwartet, packen wir natürlich für alle Eventualitäten ein. Regenwetter, Hagel, Wüstenwind, Sonnenbrand, Fischvergiftung, One-night-stand, gestohlenes Reisegepäck, Fotosafari, Alkoholverbot. Gummistiefel, Sandalen, Joggingschuhe, Ausweis, Nagelset, Reisewaschmittel, Kreditkarten, Reiseunfallversicherung und zwei Unterhosen in Reserve. Wir sind für alles gerüstet.

Wir gehen immer auf Nummer sicher!

Und wenn wir dann wieder nach Hause kommen, stellen wir mal wieder fest, dass wir nur die Hälfte der Sachen gebraucht haben. Das ist normal. Das ist menschlich. Und doch ärgern wir uns darüber. Denn wir haben den ganzen Kram umsonst von A nach B geschleppt. Wir haben uns den Arm schier ausgerenkt, um alles in den Kofferraum zu hieven. Wir haben uns am Flughafen einen lahmen Arm geholt, weil wir die Tasche so lange tragen mussten. Und im Hotel wussten wir nicht wohin mit all dem Zeugs, das da aus dem Koffer herausquoll.

Wir gehen auf Nummer sicher, wenn wir verreisen. Wir nehmen lieber zu viel mit, als zu wenig. Und wir muten uns dadurch einen Haufen Ballast zu, den wir mit uns durchs Leben schleppen, obwohl wir ihn niemals brauchen.

Es geht auch anders!

Auch wenn ich beruflich immer viel gereist bin und meinen Koffer im Laufe der Zeit mit schlafwandlerischer Leichtigkeit packe ohne groß nachdenken zu müssen; ich habe mir nie groß Gedanken darum gemacht, ob ich wirklich alles dabei hatte. Ein Griff genügte, um zu testen ob ich reisefertig bin. Der Griff zur Gesäßtasche, wo sich mein Geldbeutel befindet. Meine Devise, wenn ich Geld, Kreditkarten, Ausweis und Führerschein dabei habe, kann ich fahren. Alles andere kann ich notfalls kaufen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Geschäftsreise, bei der ich zusammen mit einem Vertreter, die Zentrale einer großen Baumarktkette aufsuchte. Am Morgen des Gesprächs stellte ich im Hotel fest, dass ich insgesamt drei Paar Sportschuhe dabei hatte, aber keine Business-Schuhe, die ich zu meinem Anzug anziehen konnte.

Als der Vertreter ins Hotel kam, um mich abzuholen, erklärte ich ihm das Problem und er fuhr mit mir vor unserem Termin noch schnell zu einem Schuhdiscounter, der um diese Zeit schon geöffnet hatte. In fünf Minuten hatte ich drei Paar Schuhe anprobiert, eines davon gekauft, die Schildchen von der Verkäuferin abmachen lassen und die Turnschuhe gegen die neuen Schuhe getauscht. Fertig für den Geschäftstermin. Und für lange Zeit ein Gesprächsthema im Bekanntenkreis und alle Lacher auf meiner Seite.

 

Wir wollen immer und überall die Kontrolle haben

Was will ich damit sagen? Wir leben vielfach ein Leben nach Fahrplan. Damit ja nichts schiefgeht, versuchen wir uns nach allen Seiten abzusichern. Mit Versicherungen für die unmöglichsten Möglichkeiten. Und mit übervollen Koffern. Wir wollen nicht überrascht werden. Wir wollen immer die Kontrolle behalten.

Doch wenn sich ein Großteil unserer Zeit darum dreht alles abzusichern und ja keine Eventualitäten zuzulassen, dann vergeuden wir damit viel Energie. Und wir lassen keinen Platz für neue Erfahrungen in unserem Leben. Wenn wir dagegen nicht immer alles doppelt und dreifach absichern, wenn wir auch mal Überraschungen zulassen, dann kann dies unser Leben wirklich bereichern.

Die Dinge vereinfachen – kalkulierte Risiken eingehen

Ein Leben nach Fahrplan ist langweilig. Berechenbar. Versicherbar. Öde. Gib dein Sicherheitsdenken auf. Nicht ganz. Nicht für immer. Aber hin und wieder einfach mal nicht überprüfen, ob Du alles bedacht hast. Einfach mal nicht für jedes Wetter packen. Einfach mal nicht alles ab- und versichern.

Dies ist kein Aufruf unkalkulierbare Risiken einzugehen. Dies ist ein Aufruf Risiken zu kalkulieren. Und dann ein kalkulierbares Risiko einzugehen.

Warum verdienen Versicherungsgesellschaften Geld? Weil sie die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Risikos berechnen und die Prämie so hoch ansetzen, dass sie im Durchschnitt einen Gewinn machen, auch wenn das versicherte Risiko hin und wieder eintritt. Wenn wir dies auch machen würden, könnten auch wir nur gewinnen. Und auch mehr Spaß am Leben haben. Und… wir würden weniger Ballast durchs Leben schleppen. In unserem Kopf und in unseren Koffern.



Hat Dir der Artikel gefallen? Abonniere den RSS-Feed hier:

Hier kannst Du den Artikel weiterempfehlen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Infopirat
  • Oneview

Post to Twitter

Ähnliche Beiträge:

  1. Scotty beam mich wieder runter




15 Jun 2009 | in intelligenter leben, zufriedener leben » | Kein Kommentar

Kommentiere diesen Beitrag!