Sei politisch

Foto von istockphoto.com

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von Axel Speitmann

Noch knapp zwei Monate, dann wird in Deutschland der Bundestag neu gewählt. Bis jetzt ist noch nicht viel zu spüren von Wahlkampf. Ferienzeit. Eine der wichtigen Nachricht der letzten Tage aus der Politik: Ministerin Schmidt hat man den Dienstwagen unterm Hintern weg geklaut. Und das im Urlaub.

So brisant die Frage der Verschwendung von Steuergeldern von hochrangigen Politikern jedoch auch sein mag, diese 10.000 Euro sind „peanuts“ wie Hilmar Kopper, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sagen würde. So etwas zahlen wir aus der Portokasse.


Aber in unserer zunehmend politisch uninteressierten und inaktiven Gesellschaft schlägt die „persönliche Vorteilsnahme“ auf Kosten der Allgemeinheit höhere Wellen als der drohende Kollaps unseres Gesundheitssystem, unseres Rentensystems, unseres Finanzsystems und damit auch unseres Wirtschafts- und politischen Systems. Vielleicht weil Zahlen im fünfstelligen Bereich für uns Normalbürger greifbarer sind, als die 100 Milliarden, die zur Zeit mal hier und mal dort rein gepumpt werden.

Chance verspielt

Als vor vier Jahren die Ergebnisse der letzten Bundestagswahlen bekannt wurden, da hatte ich persönlich Hoffnung, dass der Zwang zur Großen Koalition auch ein Zwang zur Vernunft sein würde. Eine Möglichkeit, die wirklich wichtigen Fragen der nächsten zwanzig oder dreißig Jahre anzugehen.

Ich dachte, wenn man so eine überwältigende Mehrheit im Bundestag hat, dann kann man auch Dinge in Bewegung setzen, die mit einer knappen Mehrheit immer zum Scheitern verurteilt sind. Schon allein, weil sich eine Opposition schon aus Profilierungszwang gegen fast alles aussprechen muss, was eine Regierung tut.

Pustekuchen. War nix. Vier Jahre, die wir in die Tonne schmeißen können. Das Resultat dieser vier Jahre ist in meinen Augen ernüchternd. Und unsere Bundespolitiker, wie sie auch alle heißen, sind billige Abziehbildchen. Kopien, keine Originale. Ohne jegliches Profil.  Das, so finde ich, ist eigentlich das Schlimmste. Wir haben keine echten Köpfe. Keine Leader (ich vermeide bewusst das deutsche Wort). Deutsche Politiker haben keine Visionen, keinen Esprit.

Yes, we can auch

Die Amerikaner sagen „yes, we can“. Und unsere Politiker sagen „yes, we can auch“. In einem Land, das an politischer Apathie leidet, rüttelt das bestimmt auf. Ich kann meine Nachbarn durch die Wände schnarchen hören.

Was wir schon lange brauchen, sind Menschen, die uns nicht versprechen „die Rente ist sicher“, sondern ehrlich und offen kommunizieren, dass dieses System eines Tages entweder radikal umgebaut wird (zum Schaden derer, die jetzt fleißig einzahlen) oder mit einem riesigen Knall vor die Hunde gehen wird (gleiches Resultat). Gleiches gilt für viele Bereiche unseres ach so bequemen Sozialstaates.

Ich wünsche mir Politiker, die nicht Nachahmer und Mitläufer sind. Ich wünsche mir Politiker, die sich nicht fragen, „was mache ich in vier Jahren“ (wenn ich nicht wieder gewählt werde), sondern sich stattdessen fragen, „Was kann ich in vier Jahren bewegen“. Da, wo ich nur in kleinen Ansätzen, solches Gedankengut sehe, gebe ich gerne meine Stimme.

Macht Politik – bewegt was

Wählen ist wichtig. Verantwortungsbewusstsein der Politiker ebenfalls. Und da, wo das politische Establishment meine Meinung nicht vertritt, muss ich aktiv werden. Da muss ich politisch werden. Und laut. Politik wird nicht nur im Bundestag gemacht. Politik wird überall da gemacht, wo Menschen für ihre Meinung und Überzeugung eintreten. Deshalb sei politisch. Misch Dich ein. Und geh wählen.

Wer in einem totalitären System die Welt verändern will, der muss auf die Barrikaden gehen. Wer in einem demokratischen Land lebt und die Welt verändern will, der sollte wählen gehen. Zweites ist die Luxusversion von politisch sein. Wir dürfen sie nicht verspielen, indem wir den Falschen das Ruder überlassen.




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3 Aug 2009 | in intelligenter leben » | Kein Kommentar

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