Scheiße schmeckt gut!

Foto: © Erich Kasten/ PIXELIO www.pixelio.de

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von Axel Speitmann

Millionen von Fliegen können sich nicht irren.

Kennst Du diesen Spruch? Schon mal nachgedacht, ob da vielleicht ein Funken Wahrheit dran ist? Oder gar schon ausprobiert? Ich kann mir vorstellen, dass die meisten meiner Leser jetzt das Gesicht verziehen. Für einen Moment habe ich gezögert, ob ich diese Überschrift und diesen Einstieg in das Thema wirklich wählen soll. Aber dann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es erstens genau zu dem passt, was ich sagen will und zweitens macht es wahrscheinlich den ein oder anderen neugierig weiterzulesen.

Scheiße schmeckt gut!

Da bin ich mir zu 100% sicher. Wenn ich eine Fliege wäre, wäre das wahrscheinlich mein Leibgericht. Zum Nachtisch würde ich noch ein wenig vom fauligem Obst naschen. Nachmittags würde ich mich mit meinen Kumpels zu einem Festmahl in der Biotonne treffen. Und wenn uns dann am Abend wieder der Hunger überkommt, knabbern wir noch ein bisschen an der toten Katze, die der Nachbar vorgestern überfahren hat.  Hhhmmm, das Leben bietet mir eine Fülle an Genüssen.

Du findest das eklig?

Kann ich verstehen. Du bist ja auch keine Fliege. Eigentlich bist du ein armseliges Würstchen. Du Mensch, du. Weder kannst du so gut sehen wie ich. Noch kannst du so gut riechen wie ich. Du kannst nicht fliegen. Und du weißt nicht wie gut Scheiße schmeckt. Und wahrscheinlich könnten deine Geschmacksnerven diese einzigartigen Aromen und Genüsse noch nicht einmal wahrnehmen, wenn Du probieren würdest.

Fliegen sind anders!

Keine Frage, Fliegen sind wirklich ganz anders! Sie verhalten sich anders, sie sehen anders aus. Sie essen andere Dinge als wir. Sie haben andere Fähigkeiten als wir und andere Vorlieben – zum Beispiel stundenlang mit dem Kopf gegen Glasscheiben zu fliegen. Aber Fliegen sind nicht dumm. Ihre Fähigkeiten sind sogar teilweise ganz erstaunlich. Ihr Verhalten zwar für uns vielleicht nicht immer nachzuvollziehen, jedoch in den meisten Situation durchaus logisch (aus Sicht der Fliege). Und ihr Essverhalten mag für uns befremdlich sein, jedoch gibt es noch andere Tierarten, die ihren „exotischen“ Geschmack durchaus teilen.

Anders ist so anders!

Alles, was anders auf uns wirkt, ist fremd. Aus einer anderen Welt. Das Wörterbuch bietet eine Fülle von Synonymen für das Wort „anders“. Abweichend, entgegengesetzt, unähnlich, ungleich, unterschiedlich, eigenartig, überraschend usw. Dinge die anders sind, als das, was wir kennen, lassen uns vorsichtig und reserviert werden. Urzeit-Instinkte sagen uns, dass das, was anders ist, gefährlich sein könnte. Also Abstand halten! Also einen Bogen drum machen! Also auf jeden Fall bei dem bleiben, was wir kennen, was uns vertraut ist und was sicher ist.

Und am besten das, was anders ist, verteufeln. Schlecht reden. Eklig finden. Ausgrenzen. Brandmarken. Oder, wie mit den Fliegen…totschlagen.

Über den Tellerrand schauen

Hast Du schon einmal erlebt, wie Kinder im Laufe der Zeit neue Geschmäcke für sich entdecken. Vielleicht kannst Du dich auch daran erinnern, wie es bei Dir selber war. Man isst das, was man kennt. Aus Neugier oder zum Teil auch unter Zwang oder „gutem Zuspruch“ der Erwachsenen probiert man immer wieder neue Lebensmittel aus und von Zeit zu Zeit kommt immer wieder etwas dazu, dass einem schmeckt. Dazu muss das Kind wortwörtlich über den eigenen Tellerrand hinausschauen.


Oder wir entdecken Dinge, die uns nicht schmecken. Und irgendwann schmecken sie plötzlich doch. Doch das kann man nur feststellen, wenn man neugierig ist. Dazu muss man das Fremde, Andere ausprobieren. Dazu muss man testen. Da muss man bereit sein Experimente zu machen. Einen Schritt weiter zu gehen, als man sich bisher getraut hat.

Anders ist anders! Na und?

Wer neue Dinge entdecken will, der muss zunächst einmal die Angst vor dem Neuen, Unbekannten ablegen. Klar darf man vorsichtig sein. Nicht umsonst haben wir diese Ur-Instinkte. Aber ein weiterer Ur-Instinkt ist die Neugier. Und die sollten wir nicht unterdrücken, nur um uns sicher in unserer Komfortzone einzuigeln. Anders ist anders! Na, und? Anders muss deshalb doch nicht schlecht sein.

Sei offen Neuem gegenüber. Neue Erfahrungen, ungewöhnliches Wissen, überraschende Bekanntschaften, fremde Kulturen, unterschiedliche Meinungen, eigenartige Verhaltensweisen, unterschiedliche Geschmäcke, andere Gewohnheiten. Es gibt sicherlich vieles zu entdecken, dass dir gefallen wird. Schau über deinen persönlichen Tellerrand hinaus.

Die Komfortzone verlassen

Über den Tellerrand hinausschauen reicht nicht aus. Nur Neugierig zu sein, ist zu wenig. Du musst einen Schritt hinaus aus der Komfortzone machen. Das ist der Bereich, in dem Du dich sicher fühlst. Der Bereich, wo Du alles kennst, dir alles vertraut ist. Hier ist nichts anders; nichts ist fremd.

Um diesen Schritt zu tun brauchst Du Vertrauen. Vertrauen in andere. Vertrauen darin, dass nicht alles schlecht ist im Leben. Und last but not least Vertrauen in dich selbst und deine Fähigkeiten. Mach es wie die Kinder. Probier erst nur einen kleinen Happen. Und wenn es schmeckt, nimm noch mal Nachschlag.

Und vertrau den Fliegen: Scheiße schmeckt gut! ;-)



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27 Jun 2009 | in intelligenter leben » | Kein Kommentar

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