Online-Reputation

Foto von istockphoto.com

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von Axel Speitmann

Der Ruf eines Mannes ist wie Glas.

Einmal zerstört, ist er für immer ruiniert.

(aus dem Film “Merlin der Zauberer”)

 

Zur Zeit geistert eine Geschichte durchs Netz von einer jungen Britin, die ihren Job verloren hat, weil sie öffentlich auf ihrer Facebook-Seite über ihren Chef abgelästert hat. Sie hatte schlicht vergessen, dass sie ihn auf ihrer Seite als „Freund“ hinzugefügt hatte. So hatte er Einblick auf ihre Meldungen auf Facebook und wurde darauf aufmerksam, dass sie ihn übel beschimpfte. Die prompte Reaktion: Kündigung online – per Kommentar auf ihrer Facebook-Seite sprach der Chef die Kündigung aus und avisierte die rechtlich verbindliche, schriftliche Bestätigung für den folgenden Tag.


Über den Chef lästern ist normal

Wow – das Lachen bleibt einem irgendwie im Halse stecken, oder? Einerseits denkt man, wie doof kann man eigentlich sein. Anderseits, ganz schön hart. Wer hat sich nicht schon mal über seinen Chef ausgelassen? Wer hat nicht schon mal im vertrauten Kreis über den Vorgesetzten abgelästert? Aber genau das ist es: „Im vertrauten Kreis“!

Wer seinem Ärger Luft macht, der sollte aufpassen, in wessen Gegenwart er dies tut. Und vor allem sollte einem der Chef nicht gerade im Rücken stehen. Oder (online) über die Schulter schauen.

Viele Menschen nutzen das Internet heutzutage um in Foren, in Blogs, auf social-media-Seiten oder auf eigenen Websites ihre Meinung kundzutun, oder sich zu präsentieren (bei manchen könnte man auch sagen produzieren). Der Drang nach Individualität wird ausgelebt, indem man einer mehr oder weniger anonymen Masse Zugang zu seinem persönlichen Leben gewährt. Oder zumindest zu Teilen davon.

Online-Strip oder Online-Vermummung

Die Einen machen es exzessiv, indem sie ihr Leben per Livecam ins Netz stellen, jeden Furz über Twitter dokumentieren, oder ihr Seelenleben in einem Blog breittreten. Andere selektieren stärker. Sie schützen Daten, die nur ihre Freunde sehen sollen. Sie vermeiden es, persönliche Fotos ins Netz zu stellen. Sie geben weder die eMail-Adresse noch ihre persönliche Adresse oder Telefonnummer freiwillig raus.

Dabei ist das unter Umständen nicht einmal eine bewusste Aktion, um die eigene Privatsphäre zu schützen, sondern geschieht nur deshalb, weil man sich nicht vorstellen kann, dass diese Daten für jemanden von Interesse sein sollten.

Es macht Sinn sich einmal Gedanken darüber zu machen, welche persönlichen Daten andere im Netz von uns finden können dürfen. Mit persönlichen Daten sollte man sehr vorsichtig umgehen. Abgesehen davon, dass die Werbewirtschaft ganz heiß auf solche Daten sind und uns dann womöglich zu müllt mit Werbung aller Art, gibt es genügend kriminelle Möglichkeiten zu unserem Schaden aus unseren Daten Profit zu schlagen.

Achte auf deinen Ruf im Netz

Doch noch eine andere Sache wird von vielen Menschen unterschätzt. Daten, Fotos und Kommentare im Netz von uns, oder über uns, können unangenehme Folgen für unsere Online-Reputation haben. Rufschädigende Inhalte auf Websites oder in öffentlich zugänglichen Online-Fotoalben können verheerende Folgen für unser berufliches Fortkommen haben. Sie können dazu führen, dass Freundschaften in die Brüche gehen, oder Partnerschaften. Sie können dazu führen, dass Menschen keine Geschäfte mehr mit uns machen wollen, oder, wie im Fall von Lindsay aus Großbritannien, dass man die Kündigung erhält.

Es macht also durchaus Sinn, sich Gedanken zu machen über das Bild von uns, dass andere erhalten, wenn sie uns im Netz finden. Und da sollte sich niemand etwas vormachen. Je aktiver wir im Netz sind, umso schneller sind wir mit einer ganz simplen Google-Suche auch zu finden. Online-Reputation, also unser Ruf im Netz, ist etwas, worum sich nicht nur Unternehmen und Prominente Gedanken machen sollte.

Über eines sollten wir uns dabei immer im Klaren sein: Was einmal im Netz steht, das kann man kaum wieder löschen. Aufgrund der dezentralen Struktur des Netzes werden Daten auf verschiedenen Servern zwischengespeichert. Das bedeutet, es reicht nicht mehr aus, sie dort zu löschen, wo sie ursprünglich abgelegt wurden. Und: das Internet ist schnell. Geschichten wie die von Lindsay verbreiten sich innerhalb von Stunden millionenfach um die ganze Welt.

Zwei Tipps zum Schluss:

1.       Google einmal nach deinem persönlichen Namen. Was findest Du? Vielleicht gibt es Dinge, die man besser jetzt noch korrigiert oder repariert, bevor sie um die Welt gehen.

2.      Bevor Du Dinge ins Netz stellst oder Kommentare schreibst: Hirn einschalten! Nicht im Zorn, im Suff oder in dem Moment der größten Verliebtheit deine Nachricht für die Welt auf die nächste virtuelle Wand sprayen. Was im realen Leben vielleicht nur ein paar Passanten sehen, oder vom Hausmeister am nächsten Tag übertüncht wird, wird im Netz erst einmal um die ganze Welt getragen.




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19 Aug 2009 | in intelligenter leben » | Kein Kommentar

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