Kein kollektives Bewusstsein
von Axel Speitmann
In Griechenland stecken gierige Landspekulanten tausende von Hektar Wald in Brand. Und hunderte von Familien verlieren ihr Heim. Im Süden Europas bewässern Bauern in Trockengebieten ihre Pflanzen trotz gesetzlicher Beschränkungen wie blöde, weil sie den letzten Rest ihrer Ernte retten wollen. Resultat, die Grundwasserspiegel dieser Regionen sinken weiter und die Erosion ist unaufhaltbar. Die Japaner gehen trotz internationaler Ächtung weiterhin auf Walfang und rotten die letzten Walschulen systematisch aus.
Wir Menschen haben ein äußerst schwach ausgeprägtes kollektives Bewusstsein. Und dafür müssen wir nicht mit dem Finger auf fremde Kulturen und Ausländer zeigen. Es gibt genügend Beispiele in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.
Eingeschränkte Wahrnehmung
Was uns interessiert, sind die Folgen, die uns persönlich treffen. Vielleicht noch unsere Familie, unsere Freunde oder unseren Arbeitsplatz. Und dann ist der äußere Dunstkreis unseres Interesses aber auch schon bis an seine Grenzen strapaziert. Alles andere interessiert uns nicht.
Nicht wirklich. Natürlich schauen wir uns all die Horrormeldungen gerne in den Abendnachrichten an. Natürlich lamentieren wir lauthals mit über die bösen Japaner, Iren und Norweger, die die Meere leer fischen. Oder wir regen uns auf über die Nachbargemeinde, die eine Müllverbrennungsanlage genehmigt.
Keine Verantwortung übernehmen
Das alles natürlich nachdem wir beim Aldi oder Lidl den Fisch zum Supersonderangebots-Schnäppchen-Preis gekauft haben. Gut verpackt in einer doppelten Verpackung aus Pappe und Plastik. Zusätzlich verschweißt in eine praktischen Aluschale, die wir gleich in den Backofen schieben können und danach achtlos in den Restmüll schmeißen.
Wer den Fisch gefangen hat, interessiert uns beim Kauf herzlich wenig. Auch nicht wieviel Verpackung wir nachher wegschmeißen und ob diese eventuell recycelbar ist oder nicht. Was wir wollen ist ja der Fisch für ein schmackhaftes Mittagessen. Und ob der Müll später in der Müllverbrennung im Nachbarort landet, ist uns einerlei. Nur wenn es dann stinkt, sind wir wieder auf dem Plan.
Die Bösen, das sind immer die Anderen
Was unser persönliches Verhalten bewirkt, beachten wir garnicht. Alles, was sich außerhalb unseres Dunstkreises bewegt ist definitiv nicht wichtig in Bezug auf unsere persönliche Verantwortung. Wir übernehmen nur Verantwortung für den von uns überschaubaren Bereich unseres persönlichen Lebens. Und da sind wir gerne kurzsichtig.
Unsere persönliche Verantwortung und unser kollektives Bewusstsein endet bereits am Gartentor. Und wer weiß schon, was in zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Darüber brauchen wir uns doch heute noch nicht den Kopf zu zerbrechen.
Wirklich nicht?
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Interessanter Bericht, sehr informativ … großes Lob!
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