Ich bin keine Nummer

Foto: © Klicker/ PIXELIO www.pixelio.de

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von Axel Speitmann

Auch wenn es schon einige Zeit her ist, erinnere ich mich noch gut. Während meiner Studienzeit machten wir eine Projektarbeit in Zusammenarbeit mit Mercedes Benz. Die Veranstaltungen wurden begleitet von einem Direktor des Unternehmens, der uns Hilfestellung und eine Kooperationsmöglichkeit mit seinem Unternehmen bei der Projektdurchführung anbot.


In einer Auftaktveranstaltung schwärmte dieser Herr uns von seinem Job vor und pries die Vorteile für ein solch großes und bekanntes Unternehmen zu arbeiten in den höchsten Tönen. Im Verlauf der anschließenden Diskussion wurde unter anderem auch gefragt, wer sich denn vorstellen könne einmal in einem Unternehmen wie Mercedes zu arbeiten.

Ich bin was Besonderes, keine Nummer

Ich weiß nicht mehr, ob ich der Einzige war, der sich nicht meldete. Jedenfalls entstand dann eine Diskussion, während der ich meinen Standpunkt, dass ich niemals für ein Unternehmen wie Mercedes arbeiten würde ziemlich deutlich machte. Neben einigen sehr persönlichen Gründen und einer grundsätzlichen Antipathie gegen die Marke mit dem Stern, die sich bis heute gehalten hat, war mein Hauptargument, dass ich nicht als Nummer, sondern als Mensch behandelt werden will. Das sah ich bei einem Unternehmen dieser Größe nicht gewährleistet.

Meine Sorge war und wäre heute immer noch, dass ich als kleines Zahnrad im Getriebe nur aufgefallen wäre, wenn ich nicht funktioniert hätte und dann einfach ausgetauscht worden wäre. Ich wollte nicht eine der grauen Mäuse sein, die täglich durch die Firmentore eines Multikonzerns laufen. Stattdessen beschloss ich meine Karriere im Mittelstand zu beginnen.

Lieber weniger verdienen, als ne Nummer sein

Ich schlug die Warnung des Professors in den Wind, der meine Diplomarbeit betreute. Er meinte, dass ich in solchen Unternehmen niemals über ein bestimmtes Jahresgehalt hinaus kommen werde. Und, dass ich mir mit diesem Schritt meine weitere Karriere verbauen würde.

Ich habe diesen Schritt niemals bereut. Natürlich war nicht immer alles eitel Sonnenschein. Auch was das Gehalt anging hat er Recht behalten. Und mir ist durchaus bewusst, dass auch in Großunternehmen Menschen arbeiten, die einen Namen haben und nicht nur eine Telefondurchwahl. Trotzdem bin ich froh diesen Weg beschritten zu haben.

Ich bin keine Nummer gewesen in meinem bisherigen Arbeitsleben. Ich hatte ein Gesicht, einen Namen, und persönliche Beziehungen zu meinen Kollegen, Kunden und Vorgesetzten. Auch für die, die mich nicht namentlich kannten war ich mehr als eine Nummer.

Frau Schnell-Schnell und Mann mit Krawatte 

Dazu eine kurze Anekdote. In dem ersten Unternehmen, in dem ich nach dem Studium arbeitete, gab es eine griechische Putzfrau. Sie war schon älter und sprach nicht allzu viel deutsch. Da sie die Namen der einzelnen Mitarbeiter in der Verwaltung nicht alle kannte, hatte sie sich eigene Namen ausgedacht. Eine Kollegin, die sie anscheinend bei der Arbeit immer etwas antrieb, bekam den Namen „Frau Schnell-Schnell“.

Ich bekam auch einen wunderschönen Namen. Da ich als Vertriebsleiter neben dem Geschäftsführer die einzige Person war, die fast immer eine Krawatte trug, bekam ich den Namen „Mann mit Krawatte“. Wenn sie also die Kollegen nach mir fragte, so klang das in etwa so: „Mann mit Krawatte heute nicht da?“

Nein, ich bin wirklich keine Nummer. Und ich wünsche jedem, dass er das von sich sagen kann!




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11 Aug 2009 | in einfacher leben » | Kein Kommentar

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