Großer Bruder allgegenwärtig

Foto: © Klaus Uwe Gerhardt/ PIXELIO www.pixelio.de

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von Axel Speitmann

Sei Herr deiner persönlichen Daten

Gestern las ich diesen Artikel über eine besonders dreiste Form von „Datenklau“ durch Amazon. Über Nacht hat der größte Online-Buchhändler der Welt seinen Kunden gekaufte und bereits bezahlte ebooks von ihren ebook-Readern kindle gelöscht. Zwar hat Amazon den Kunden den Kaufpreis wieder gutgeschrieben, jedoch bleibt mehr als ein fader Nachgeschmack.


Zensur oder Datenpanne?

Besonders pikant an der ganzen Angelegenheit: Zu den gelöschten Büchern gehörten die Romane „1984“ und „Animal farm“ von George Orwell. Zwei Bücher, die als Thema einen totalitären Überwachungsstaat als Angstvision darstellen. Der große Bruder, der die Gesellschaft in Orwells „1984“ beherrscht und überwacht, ist technisch inzwischen möglich.

Internetzensur, das Sammeln persönlicher Daten durch Staat und Wirtschaft, Überwachungsmöglichkeiten an öffentlichen Orten durch Kameras, Vernetzung der Behörden. Die Metamorphose vom mündigen Zeitgenossen und Herr meiner persönlichen Daten hin zum gläsernen Bürger nimmt ein beängstigendes Ausmaß an.

Bezeichnend, dass gerade die großen Datensammelmaschinen wie Amazon uns vormachen, was passieren kann, wenn wir zu blauäugig werden. Ich habe nichts gegen Amazon. Ich kaufe dort ein. Ich bin mit dem Service zufrieden. Aber ich finde es befremdlich, dass Amazon auf der Einstiegsseite Dinge zeigt, die mich interessieren könnten, weil sie mein Suchverhalten der Vergangenheit gespeichert haben.

Natürlich muss man das rechtliche Dilemma beachten, in dem sich Amazon befand. Der Verlag hatte die Genehmigung der Verwendung der ebooks nicht erteilt. Amazon hätte womöglich hohe Strafzahlungen zu erwarten gehabt. Trotzdem darf man sich als Kunde so etwas nicht gefallen lassen.

Datenkraken wühlen im persönlichen Datenmüll

Und wir sollten uns wirklich alle einmal fragen, was passiert, wenn wir allzu freizügig anderen den Zugang zu unseren persönlichen Daten gewähren. Die Datenkrake Google sammelt jedes Schnippselchen an Informationen über dich, das es finden kann. Und mit jedem zusätzlichen Dienst, den Google anbietet und den wir nutzen, geben wir wieder ein Stückchen mehr von uns Preis.

Google bietet tolle Services. Und alles „for free“. Eine prima Sache. Ich nutze selber einige dieser Services. Aber…Google macht uns dadurch Schritt für Schritt „abhängig“, und spioniert uns aus, um seinen Service noch besser an unsere Bedürfnisse anzupassen.

Aber das ist doch toll, wenn ich einen Service genau so zugeschnitten bekommen, wie ich ihn brauche, oder nicht. Ja, aber wir geben damit solchen Firmen wie Amazon und Google (die zwei seien nur exemplarisch genannt. Es gibt tausende andere) die Möglichkeit uns zu manipulieren und wie der aktuelle Fall zeigt uns zu kontrollieren.

Und es ist kein Geheimnis, dass solche Datenmengen, wie sie bei Google, Amazon und anderen zur Verfügung stehen, Begehrlichkeiten wecken bei anderen, die mehr über uns wissen wollen und uns kontrollieren wollen. Allen voran den Geheimdiensten.

Ich selber bin sicherlich über viele Jahre zu blauäugig durch die Datenwelt gesurft. Doch eine Reihe von Dingen, der Vorfall bei Amazon eingeschlossen, haben mich doch etwas wach gerüttelt. Wir sollten vorsichtiger und weniger vertrauensselig mit unseren Daten umgehen.




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21 Jul 2009 | in intelligenter leben » | Kein Kommentar

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