Generation Y

Foto: © Rainer Sturm/ PIXELIO www.pixelio.de

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von Axel Speitmann

Die wirklichen Menschen wollen, dass ihr Leben eine Fiktion ist, und die erfundenen, dass ihr Leben Realität wird.

Woody Allen

Vor einiger Zeit bin ich über den Begriff „Generation Y“ im Internet gestolpert. So bezeichnet man die sogenannten „Millenials“ oder auch „digital natives“. Das sind die Menschen, die heute etwa Mitte zwanzig sind; die Generation die der Generation X, also meiner eigenen, folgte. Sie gelten als gut ausgebildet, meist mit akademischem Abschluss, sind technologieaffin und geübt im Umgang mit allen Tools, die das world-wide-web ihnen bietet.

Alles nur einen Klick entfernt

Diese Generation ist die erste, für die quasi jede Information nur einen Klick weit entfernt ist.  Sie googlen sich durch Leben. Sie twittern ihr Befinden in den Äther. Sie kommunizieren via Mail, icq und SMS. Sie sozialisieren sich in Facebook oder studiVZ.


Sie produzieren sich in Blogs, auf Youtube und eigenen Websites. Sie networken in wer-kennt-wen und machen Business über Xing. Sie kaufen in Online-shops, zahlen mit Pay-Pal oder ihrem guten Namen. Das alles mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit. Ich bin selber sehr viel im Internet unterwegs und schätze sehr die vielen Möglichkeiten, die mir das Internet bietet. Angefangen von der Pizza, die ich online nach Hause bestellen kann, bis hin zu der Möglichkeit kostenlos und blitzschnell mit Menschen in der ganzen Welt (und ich meine wirklich die ganze Welt) in Kontakt zu treten. Ich nutze das Internet für Recherchen, zur Kommunikation und für geschäftliche Zwecke. Aber auch, um mit Freunden und Familienmitgliedern in Kontakt zu bleiben. Das erleichtert mir mein Leben wirklich ungemein. Das ist ein Segen.

Internet: Segen oder Fluch?

Was ich mich aber immer wieder frage: Ist das Internet wirklich ein Segen? Oder ist es für viele dieser Generation Y vielleicht auch ein Fluch? Ist es wirklich so toll, wenn alles nur einen Klick entfernt ist? Wird uns da nicht manches zu leicht gemacht? Wird nicht unsere Erwartungshaltung immer höher, je mehr wir mit wenigen Klicks erreichen oder bewirken können?

Und ist diese Welt, in der wir uns da bewegen, nicht schrecklich unpersönlich und oberflächlich? Die Tatsache, dass wir in social networks mit einem Klick neue Freunde „deklarieren“ können und angeblich jede siebte Beziehung ihren Anfang inzwischen im Netz hat, deutet eher auf das Gegenteil hin. Aber gewinnt das Internet wirklich an Tiefe, nur weil es Kommunikationsplattformen anbietet?

Die Wirklichkeit ist leider doch noch immer weiter als ein paar Klicks vom Internet entfernt. Sie findet vor dem Bildschirm statt und vor unserer Haustüre. Verglichen mit dem kleinen, blinkenden, grünem Cursor auf schwarzem Grund, der vor zwanzig Jahren das magische Symbol einer neuen Welt symbolisierte, ist das Internet inzwischen Lichtjahre entfernt. Wir sehen nicht mehr nur unformatierten Text und kryptische Zeichen auf dem Bildschirm. Das Internet wird mehr und mehr zu einer „Erlebniswelt“.

Neben der immer noch stark dominierenden Textdarstellung erleben wir zunehmend, wie immer mehr Medien in das Netz eingebunden werden. Mit Webradio, webTV, Video, iTunes, Fotosammlungen, Onlineshops, Chats, Foren und einer Vielzahl von Adventurspielen und Glücksspielen ist das Netz ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens geworden.

Web 2.0 versus Realität 1.0

Aber es ist immer noch nur ein Spiegelbild des wirklichen Lebens. Im Internet ist die Welt immer noch eine Scheibe. Die Scheibe, vor der wir sitzen. Sie bildet die Wirklichkeit ab, wie ein Spiegel. Zweidimensional! Platt! Unwirklich! Angeleuchtet durch Monitore, wie der Mond von der Sonne. Und auch wenn es inzwischen verdammt große Bildschirme gibt, wir sehen immer nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was da es da draußen alles zu entdecken gibt.

Das Internet vermittelt uns einen Eindruck von Dingen, wie ein Foto, wie ein Hörspiel, wie das Fernsehen. Aber das ist nur eine „Kopie“. Das Original hat wesentlich mehr Facetten zu bieten, die wir noch nicht in bits und bytes darstellen können.

 Tausend verschiedene Gerüche, die meine Nase entdecken kann. Wunderbare Speisen, die man nicht nur auf dem Bild oder als Rezept sieht, sondern schmecken kann. Die verrücktesten Dinge, die man sich dreidimensional ansehen kann. Töne, die man unverfälscht und unbearbeitet hören kann. Menschen, die man fühlen kann. Emotionen, die man nicht durch smileys darstellen muss, weil man sie direkt spürt.

So toll das Netz 2.0 auch sein mag, ich bleibe ein Fan der Realität 1.0



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12 Aug 2009 | in zufriedener leben » | Kein Kommentar

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