Die besten Entscheidungen

Rita Pohle - Die besten Entscheidungen sind die, die man trifft

von Axel Speitmann

Heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, das ich in den letzten Tagen gelesen habe. Das Buch der Autorin Rita Pohle heißt: „Die besten Entscheidungen sind die, die man trifft“. Es handelt sich dabei um eine Fabel, also ein Buch in dem Tiere sprechen können und sich verhalten wie Menschen. Anhand der Geschichte der Rattenfamilie der jungen Ratte Racine zeigt die Autorin, wie man schnell und sicher Entscheidungen trifft. Und wie es sich für eine richtige Fabel gehört, steht am Ende eines jeden Kapitels eine kurze Lebensweisheit, in der die wesentliche Aussage des Kapitels noch einmal in einem Merksatz mit kurzer Erklärung zusammengefasst wird.

In der sehr kurzweiligen Geschichte geht es im wesentlich darum, wie die unterschiedlichen Familienmitglieder und Freunde von Racine mit anstehenden Entscheidungen umgehen. Während die Einen Entscheidungen permanent vor sich her schieben und unentschlossen bleiben, treffen Andere ihre Entscheidungen schnell. Sehr schön fand ich hier zum Beispiel die Stelle, wo die Mutter von Racine vor die Wahl gestellt wird, was sie frühstücken möchte. Da sie sich nicht entscheiden kann, treffen die anderen die Entscheidung für sie. Denn die nehmen sich was sie möchten und Racines Mutter bleibt nur das, was übrig ist.

Doc, der Begleiter von Racine bezeichnet dies als das Menschensyndrom Ersten Grades. Zitat: „Das bedeutet: Man kann sich nicht entscheiden, zögert und zaudert zu lange und wundert sich dann, dass einen die Katze frisst.“ Noch besser gefiel mir allerdings die Beschreibung des Menschensyndrom Zweiten Grades: „…Viele Menschen entscheiden sich nach dem Motto >Was-ich-hab-das-will-ich-nicht-und-was-ich-will-das-krieg-ich-nicht<. Sie wollen immer das, was sie nicht haben können, und sind nie zufrieden mit dem, was sie haben.“

Während viele Angst haben vor den Konsequenzen getroffener Entscheidungen, sind sich die Anderen vollkommen im Klaren darüber, dass eine Entscheidung für das eine auch immer eine Entscheidung gegen das andere sein muss. Aber sie stehen zu ihren Entscheidungen und den damit verbundenen Folgen. Darüber habe ich hier an anderer Stelle vor kurzem geschrieben.

Und dann gibt es die Ratten, die andere für sich entscheiden lassen, weil sie es möglichst bequem haben wollen. Oder die, die irgendwie vom Leben überrannt wurden, wie der Bruder Racines der plötzlich sechsfacher Familienvater war. Jetzt fühlt er sich in der Verantwortung und scheut sich davor Entscheidungen für sich zu treffen. Er verschiebt seine Wünsche und Bedürfnisse, ja eigentlich sein ganzen Leben auf später.

Ganz besonders imponiert hat mir die Weisheit, die Racine dann irgendwann ihrer Mutter mit auf den Weg gibt: „Du kannst es sowieso nicht allen recht machen…Aber Du kannst es Dir selbst recht machen!“ Das ist etwas, was vielen nicht bewusst ist. Sie versuchen immer nur, es allen anderen Recht zu machen. Trotzdem bleiben sie selber unzufrieden.

Auch, wenn wir Verantwortung für unsere Familie, unsere Kinder oder andere haben. Es ist unser Recht – und unsere Pflicht uns selbst gegenüber – auch an uns zu denken und es uns auch recht zu machen. Allen anderen können wir es nicht recht machen. Uns selbst schon. Denn wir wissen, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Aber wenn wir es uns selbst nicht recht machen, dann ist Unzufriedenheit ja quasi vorprogrammiert.

Sehr schön ist auch der Schluss der Geschichte. Ohne zu viel vorweg zu nehmen für die, die das Buch vielleicht noch lesen wollen: Es endet so, dass auch die entscheidungsunwillige Mutter Racines erkennen muss, dass es für ein neues Leben nie zu spät ist.

Das Buch trägt auf der Rückseite eine Art Untertitel: „Entscheidungshilfen für Jein-Sager“ Ich denke, dass es das wirklich ist. Die Autorin schafft es aufzuzeigen, wie man sich Entscheidungen und ihre Folgen einfach einmal verdeutlichen kann und damit leichter zu echten Entscheidungen kommt. Und sie zeigt ebenfalls, dass wir uns entscheiden müssen, wenn es nicht andere für uns tun sollen.

Das uns darüber hinaus eine tolle neue Welt voller ungeahnter Möglichkeiten und Erlebnisse offen steht mit jedem Ziel, das wir bewusst ansteuern und jeder Entscheidung, die wir treffen, ist ein Bonus, den sich die Autorin bis zum Schluss aufhebt.

Alles in allem ein lesenswertes Buch, wie ich finde. Vorausgesetzt, man kann mit Fabeln etwas anfangen. Wer keine sprechenden Tiere mag oder als Kleinkind beim Wolf und den sieben Geißlein schon ins Gähnen kam, der sollte sich andere Lektüre zu dem Thema suchen.

Wer jedoch schnell ein paar Tiefe Einsichten in das Thema Entscheidungsfindung bekommen will, oder ein bisschen darüber philosophieren möchte, wie man die Angst vor Neuem überwinden kann und dabei angenehm unterhalten werden will, der ist mit diesem Buch gut bedient. Mit seinen rund 130 Seiten eignet es sich für ein verregnetes Wochenende oder eine lange Zugfahrt.



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16 Mai 2009 | in erfolgreicher leben » | Kein Kommentar

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