Das Leben hat den falschen Rhythmus

falscher Rhythmus

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von Axel Speitmann

Denkst Du auch manchmal, dass der Rhythmus Deines Lebens irgendwie synchron läuft mit dem wirklichen Leben? Wer dieses Gefühl nicht kennt, der fragt sich jetzt wahrscheinlich wo der Unterschied ist. Gibt es das? Einen Unterschied zwischen Deinem Leben und dem wirklichen Leben? Und welchen Rhythmus sollte das „wirkliche“ Leben denn eigentlich haben? Welcher Rhythmus ist der Richtige? Nicht nur Musiker wissen, dass der Rhythmus ganz entscheidend dafür ist, was ein Lied bei uns auslöst. Und in unserem Leben ist der Rhythmus verantwortlich dafür, wie sich unser Leben für uns selbst anfühlt.

Scheiß Leben? – Falscher Rhythmus!

Du führst ein gehetztes Leben. An manchen Tagen, bist Du dir nicht einmal sicher, in welcher Stadt und in welchem Hotel Du aufwachst. Du hast keine Zeit für Dich selbst, keine Zeit für deine Familie, keine Zeit für deine Freunde, keine Zeit für irgendwelche Hobbies. Du bist auf der Überholspur. Und das Leben zieht nur so an Dir vorbei. Du nimmst die Dinge nur schemenhaft war. Vieles entgeht Dir, dessen bist Du dir bewusst. Kommt Dir das bekannt vor, dass Du schneller bist, als der Sekundenzeiger deiner Uhr? – Anderes Szenario: Du langweilst Dich jeden Tag zu Tode. Am Arbeitsplatz suchst Du vergeblich die Zeit totzuschlagen. Abends entfliehst Du in andere Welten des Fernsehens oder des Internets. Das Wochenende nutzt Du, um auf den Beginn der neuen Woche zu warten. Deine Sonne scheint nur damit Du den Tag von der Nacht unterscheiden kannst. Deine Zeit steht still. Dass sie dennoch vergeht, erkennst Du nur, wenn Du von Zeit zu Zeit in den Spiegel schaust. Kennst Du dieses Gefühl der Ohnmacht vor der fortschreitenden Zeit?

Wenn Dir eines dieser Szenarien bekannt vorkommt, dann kann es sein, dass Dein persönlicher Takt nicht synchron läuft mit dem Rhythmus, der für dich richtig wäre. Jeder von uns hat seinen eigenen Rhythmus in dem er arbeitet, denkt und lebt. Der eine hektisch-schnell, der nächste gemütlich-langsam und der Dritte zielgerichtet-aber-gründlich. Dabei prägt uns unsere Umgebung ebenso wie wir mit unserem inneren Takt den Rhythmus unserer Umgebung beeinflussen.

Durch die Veränderungen in der Arbeitswelt und immer schnellere Zyklen in Informationsbeschaffung und Verarbeitung sowie der Dynamik im technischen Fortschritt und der Globalisierung der Märkte, die voraussetzen, dass große Unternehmen rund um die Uhr aktiv sind, hat sich der Rhythmus der Arbeitswelt aber auch unserer Privatsphäre in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren ganz dramatisch gewandelt. Das führt dazu, dass manche Prozesse und Wissensbereiche so komplex werden, dass sie selbst für manchen Insider nicht mehr komplett transparent sind.

Menschen werden durch diese Situation überfordert oder überfordern sich selbst, indem sie sich immer noch mehr Arbeit und Verantwortung aufhalsen. Arbeit wird zum Lebensinhalt. Urlaub und Pausen werden abgeschafft. Die Ressourcen von Körper und Geist werden regelrecht verbrannt. Oder der umgekehrte Fall: Das System lässt die Nutzung der Ressourcen nicht zu. Menschen verkümmern körperlich und seelisch, weil sie keinen Anreiz haben ihre Talente zu nutzen. Sie lassen ihre Zeit und ihre Talente brach liegen. In der Folge erleben wir heutzutage verstärkt Symptome, die wir mit den Begriffen „Burnout“ und „Boreout“ bezeichnen.

Was passiert, wenn ich nicht im richtigen Rhythmus bin?

Personen, die unter diesen Krankheiten leiden, sind aus dem Tritt gekommen. Sie haben den Rhythmus verloren. Die Folge ist, dass sie vom Leben nicht mehr viel mitbekommen. Gemessen daran, wie die Auswirkungen sind, ist es egal, ob ein Mensch überfordert oder unterfordert wird. Beides ist gleich schlimm und teilweise sind die Symptome sogar ähnlich.

Menschen, deren Leben aus dem Rhythmus gerät, sind nicht mehr in der Lage ihre alltägliche Arbeit zu meistern. Vielfach versuchen sie durch vorgetäuschte Geschäftigkeit zu verschleiern, dass sie ausgebrannt sind, oder sich am Arbeitsplatz zu Tode langweilen. Sie nehmen kaum noch am sozialen Leben teil, werden zu Einzelgängern in Beruf und Privatleben, ja haben teilweise sogar Angst vor sozialen Kontakten. Beziehungen zu Partnern und Freunden verkümmern.

Diese Leutehaben das Gefühl permanent unter Druck zu stehen. Oder sie setzen sich selbst unter Druck. Doch dieser Druck lähmt sie. Selbst einfachste Aufgaben am Arbeitsplatz oder im Haushalt werden nur noch unter größten Anstrengungen vollbracht. Sie fühlen sich gefangen in einem Leben, dass sie nicht mehr führen wollen. Doch die Lähmung, die sie erfasst hat, verhindert in vielen Fällen auch, dass sie einen Ausweg suchen aus dieser Situation. Denn auch das wäre wieder mit Anstrengung verbunden. Und auch dafür fehlt irgendwie die Kraft.

Die meisten Menschen in solchen Situationen bieten einen Großteil ihrer Kraft dafür auf, zu verhindern, dass andere in ihrem Umfeld bemerken, dass sie krank sind. Denn das wäre nicht nur gleichbedeutend mit einer Bankrotterklärung der eigenen Lebensphilosophie, sondern auch ein Karrierekiller. Und auch gesellschaftlich sind psychische Erkrankungen immer noch ein Makel. Ein gebrochenes Bein akzeptiert jeder als schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung, eine gebrochene Seele nicht. So bleiben diese Menschen gefangen in einem Rhythmus, der für sie vollkommen asynchron wirkt und humpeln einem Leben hinterher, dass schon lange nicht mehr ihr eigenes ist.

 

Wie finde ich meinen richtigen Rhythmus?

Menschen, die sich auf der Überholspur des Lebens befinden und das Tempo irgendwann nicht mehr dauerhaft halten können, merken das in den meisten Fällen durchaus. Auch die, die auf dem Standstreifen der Lebensautobahn abgestellt wurden, wissen meist sehr schnell, dass ihr Lebensrhythmus nicht mehr passt.

Unser Körper gibt uns Hinweise, sobald etwas nicht mehr im Lot ist. Wir sind mit so vielen „kleinen Sensoren“ ausgestattet, dass uns normalerweise nicht entgehen kann, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Doch wir haben das Problem gerade in der heutigen Zeit, dass wir einerseits einer Reizflut gegenüberstehen, die die Sensoren und das Hirn, das diese Reize verarbeiten soll, einfach überlasten. Auf der anderen Seite unterliegen wir einer Reihe von gesellschaftlichen, beruflichen, kulturellen und persönlich auferlegten Zwängen, die unsere Handlungsfähigkeit einschränken. Die Warnmeldungen des Körpers und der Seele werden daher einfach oft ausgeblendet.

Daher werden wir oft erst auf die Dissonanz in unserem Leben aufmerksam, wenn sie ganz massiv auftritt und erste Ausfallerscheinung auftreten. Erst dann also, wenn wir schon angeschlagen sind. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht reagiert, der läuft große Gefahr ernsthaft krank zu werden. Doch wie finde ich den richtigen Rhythmus für mich? Ich glaube, die Antwort ist simpel, aber für viele nicht einfach umzusetzen: Höre in Dich hinein!

Um zu erfahren, was mit Dir los ist, brauchst Du Ruhe. Du must den Alltag ausklinken und Dich auf dich selbst konzentrieren. Frage Dich selbst: Was läuft da gerade falsch in meinem Leben? Du weißt die Antwort, da bin ich mir sicher. Die vielen kleinen Sensoren haben trotz der Reizüberflutung alles schön brav aufgezeichnet und an Dein Hirn weitergeleitet. Und das schickt Warnsignale aus; vielleicht schon seit Monaten oder Jahren.

Menschen, die ernsthaft an einem Burnout oder Boreout erkrankt sind, brauchen in der Regel professionelle Hilfe. Aber, wenn Du erst in einem Anfangsstadium bist und mal genau hinhörst, was Du selber tief drinnen in Dir schon weißt, kannst Du Korrekturen vornehmen, die dein Leben mehr in die Balance bringen. Wir wissen sehr gut, was uns fehlt und wovon wir zu viel haben in unserem Leben.

Verschaffe Dir also ein paar Tage Ruhe. Kein Jobstress, keine elektronischen Helferlein wie Handy, PDA, Notebook, keine Ablenkung durch Radio, Fernsehen, keine Störung durch Kollegen, Familie, Freunde, kein Druck durch Haushalt, Kinder, Vereinsarbeit. Gehe in die Natur. Bewege Dich, tanke Sauerstoff. Verschaffe Dir bewusst einen Rhythmuswechsel. Und komme innerlich zur Ruhe. Du must am Anfang gar nicht bewusst über deine Situation nachdenken. Versuche zunächst einmal nur runter zu kommen.

Ich bin mir sicher, wenn Du Dir dann einmal die Zeit nimmst ganz in Ruhe und Gelassenheit über deine Situation nachzudenken, fallen dir sehr schnell einige Dinge auf, die dein Leben asynchron machen und verhindern, dass der Motor rund läuft. Auch wenn Du selber vielleicht nicht gleich Lösungen findest, bist Du dir aber eventuell doch mehr im Klaren darüber, was sich ändern muss in deinem Leben. Jetzt bedarf es nur noch ein wenig Mutes, um was Anderes, Neues auszuprobieren. Versuche in kleinen Schritten erste Dinge anzupacken. Nicht immer ist ein radikaler Schnitt notwendig, um wieder ein lebenswertes Leben zu bekommen.

In meinem nächsten Artikel gebe ich Dir einige Tipps, wie Du es schaffst im Rhythmus zu bleiben.


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30 Apr 2009 | in stressfreier leben » | Kein Kommentar

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