Brauchen Sie ein Problem?

fragezeichen

von Axel Speitmann

Brauchen Sie ein Problem? Ich verkaufe Ihnen eins!

Ist Ihr Leben langweilig, öde, trostlos? Brauchen Sie mehr Adrenalin? Den besonderen Kick? Bei needaproblem.com finden Sie das passende Problem für jeden Geldbeutel und jeden Intelligenzquotienten. Das verspricht zumindest die Website. Ich habe es selber noch nicht ausprobiert. Wozu auch? Probleme habe ich selber genug. Und wer die Augen offen hält, findet welche an jeder Straßenecke, auf jeder Zeitungsseite, in jeder Schule, in der Gosse jeder Stadt.

Wer auf der Seite von needaproblem.com ein Problem bestellen will, der kann wählen zwischen dem trivialen Problem für einen Euro, dem einfachen, dem normalen, dem schwierigen und dem fast unlösbaren Problem. Letzteres für den stattlichen Preis von – Achtung festhalten – 5000 Euro. In Worten fünftausend! Als ich das erste Mal über diese noch recht junge Geschäftsidee gelesen habe, kamen mir zwei Begriffe in den Sinn: „Genial“ und „krank“.

Genial, weil man sich dafür bezahlen lässt, das man anderen Probleme bereitet. Das haben in der Vergangenheit nur Ikea und die Verfasser von unverständlichen Bedienungsanleitungen für Elektrogeräte geschafft. Krank, weil jemand eigentlich nicht freiwillig Geld dafür ausgeben kann, dass ihm ein anderer das Leben schwer macht. Aber dann kam mir in den Sinn, dass ich das mache, seit ich verheiratet bin und da fand ich es dann wieder ganz normal ;-)

Ich möchte an dieser Stelle nicht über needaproblem.com herziehen. Hut ab, vor Leuten, die es schaffen Probleme zu verkaufen. Am besten die eigenen. Wenn man dann auch noch davon leben kann…alle Achtung. Und heimlich still und leise kann man sich dann noch eins ins Fäustchen lachen, weil die Kunden so blöd sind und Geld für Dinge bezahlen, die kein Mensch wirklich braucht.

Ich möchte auch nicht schlecht über die Kunden von needaproblem.com schreiben. Das sind in meinen Augen bemitleidenswerte Menschen, die entweder einfach zu viel Geld haben, oder den Bezug zum realen Leben verloren haben. Wer die Augen vor den vielen kleinen und großen Problemen im eigenen Leben, in der Nachbarschaft und dem direkten Umfeld verschließt, aber Geld bezahlt für ein „künstliches Problem“, dem geht es entweder viel zu gut, oder er ist wirklich ganz arm dran.

Wenn ich ein triviales Problem brauche, dann mache ich Kreuzworträtzel, oder spiele mit meiner kleinen Tochter „Ich sehe was, was Du nicht siehst!“. Wenn ich ein normales Problem brauche, dann überlege ich, wie ich mit den fünfzig oder hundert Euro in meinem Geldbeutel bis zum Monatsende auskomme, aber ich käme nicht auf die Idee mir dafür „zusätzliche“ Probleme anzuschaffen.

Wollte ich ein schwieriges Problem lösen, dann würde ich versuchen Gleichungen mit 3 Unbekannten zu berechnen, oder mich für den Bau eines Spielplatzes in meiner Nachbarschaft einsetzen. Fünfhundert Euro wären da eine sinnvolle Investition. Und wer wirklich ein fast unlösbares Problem braucht, der könnte versuchen die Frauen zu verstehen (gilt auch umgekehrt), oder sich bei Greenpeace als Aktivist gegen Walfang engagieren.

Wer auf echte fast unlösbare Probleme steht, der kann ein neues, langfristig tragbares Rentenkonzept erarbeiten, oder in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation einen mittelständischen Betrieb übernehmen, oder sich ein Verkehrskonzept für das Jahr 2020 überlegen.

Ganz egal, welchen Schwierigkeitsgrad das Problem haben soll. Wer ein Problem sucht, der muss dafür kein Geld bezahlen, sondern sich lediglich einmal umschauen. Probleme gibt es überall um uns herum. Such Dir eines aus und löse es. Und wer zuviel Geld hat, der kann es sinnvoller ausgeben, als für Probleme. Wie wäre es stattdessen, wenn Du mit Deinem Geld für Problem-Lösungen anstatt für Probleme bezahlst.

Ein Problem für fünftausend Euro zu kaufen, das ist ungefähr so dekadent, wie Kaviar an Schweine verfüttern. Wer das braucht, soll es machen! Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs und Mädels bei needaproblem.com sinnvoller mit ihrem verdienten Geld umgehen.



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23 Mai 2009 | in intensiver leben » | Kein Kommentar

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