Alles Mustafas

Foto von istockphoto.com

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von Axel Speitmann


Gestern war ich in der Sauna. Bei meinem zweiten Saunagang saßen zwei ältere Herren mit mir zusammen in der Kabine und unterhielten sich. Der eine erzählte, dass er am Vortag bei Schneetreiben extra zu einem Essen mit Freunden nach Stuttgart gefahren sei. Ihm mache das ja nichts aus, er sei das gewohnt im Schnee zu fahren, von früher. Aber die anderen Autos seien ja nur so durch das Schneetreiben gekrochen.

Dann kam irgendwann ein weiterer älterer Herr in die Sauna, der den einen der beiden freundlich begrüßte und sich eine Zeit lang in gebrochenem Deutsch mit diesem unterhielt. Offenbar sind die beiden Nachbarn. Der andere, der bis dahin fließend deutsch gesprochen hatte, schien plötzlich jeglicher deutschen Grammatik und auch eines Großteils seines Vokabulars abhanden gekommen zu sein. Denn er unterhielt sich mit dem Neuankömmling in einem ebenso gebrochenen Deutsch.



Unwillkürlich musste ich mich fragen, wie ein Ausländer denn richtig unsere Sprache lernen soll, wenn wir Einheimischen Ihnen so ein Kauderwelsch vorsprechen, in der Erwartung uns so besser verständlich machen zu können. Nach kurzem Geplänkel verstummte das Gespräch der beiden wieder und der andere Mann, mit dem sich der Erste ursprünglich unterhalten hatte, nahm den Faden wieder auf.

„Wo ward Ihr denn da, in was für einem besonderen Lokal, das ihr da bei dem Wetter bis nach Stuttgart fahrt? fragte er jetzt.“  „Wir waren beim Iraner“, antwortete der erste, „der hat so ein besonders gutes Hammelfleisch.“ Der andere äußerte sein Unbehagen bei dem Gedanken an Hammelfleisch und dass er nur einmal in Ägypten in die Verlegenheit gekommen sei Hammel zu probieren und ihm das Fleisch absolut nicht geschmeckt habe.

Und dann fingen die beiden an zu „fachsimpeln“ über die Qualität von Hammelfleisch, die eher mäßige Qualität der arabischen Küche und darüber, dass man ja in Tunesien sowieso in jedem Lokal über den Tisch gezogen werde und die einem alles möglich als Hammel verkaufen. „Sind doch alles so Mustafas…!“ sagt der eine mit einem deutlich abwertenden Tonfall. „Ja“, pflichtet der andere ihm ebenfalls in abschätzigen Ton bei, „alles Mustafas!“

Nach einer kurzen Pause, die ich im Nachhinein als eine peinliche Pause des Schweigens werte, dreht er sich dann zu seinem Nachbarn um, der wie ich schweigend dem Gespräch gefolgt war. „Gell, Mustafa, alles Lumpen, und Du bist der größte Lump von allenen! Weischt Du, was a Lump isch?“ „Lumpen, ja ich kenne!“ „Na, Mustafa, net Lumpen, wie a Putzlumpen, ein Lump, des isch ein Verbrecher!“

Mustafa lacht etwas unsicher auf. Ob er versteht, worüber die anderen beiden gelästert haben? Ich weiß es nicht!

Ich geh raus und denke…sind doch alles Mustafas – die Deutschen!




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10 Jan 2010 | in intelligenter leben » | Kein Kommentar

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