Acht Kostbarkeiten (7) – wahre Liebe

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von Axel Speitmann

So, mal wieder Zeit für einen Artikel in der Reihe „Acht Kostbarkeiten“. Auch wahre Liebe ist eines der wertvollen Dinge in unserem Leben, die wir nicht für Geld bekommen. Wahre Liebe ist ein Geschenk – und das gilt, ganz gleich, ob sie erwidert wird oder nicht. Denn Liebe ist ein tiefes, sehr befriedigendes Gefühl. Verwechseln wir hier nicht verliebt sein und Liebe. Auch die, bei denen im Kopf der übliche Film abläuft (Liebe = Liebe machen = Sex) muss ich leider enttäuschen. Kein Sex heute. Wir bleiben anständig und enthaltsam. Zumindest bis zum Ende dieses Posts. ;-)

Ein tiefes Gefühl

Liebe ist so wertvoll für uns, weil sie uns gut tut. Menschen, die geliebt werden, fühlen sich geborgen und sicher. Vor allem kleinen Kindern kann man förmlich ansehen, wenn sie sich geliebt fühlen. Menschen, von denen sie sich geliebt fühlen, vertrauen sie ohne Einschränkung. Die Liebe der eigenen Eltern ist in der Regel, die erste Erfahrung, die wir mit diesem Gefühl machen. Diese ersten Erfahrungen prägen uns ganz entscheidend für unser weiteres Leben. Menschen, die in ihrer frühen Kindheit die Erfahrung des geliebt seins und widerliebens nur eingeschränkt erfahren, tun sich schwer dies später zu „erlernen“. Liebe kann man nicht wirklich erlernen. Man kann sie nur erfahren, erleben und selber geben. Als Geschenk, das kein Gegengeschenk erwartet.

Und, geht es uns Erwachsenen nicht genauso. Wenn wir einen Menschen finden, den wir lieben und der unsere Liebe erwidert, dann können wir uns ihm öffnen und vertrauen ihm bedingungslos. Das gilt nicht nur für die Liebe unter Partnern, sondern auch unter Freunden oder in der Liebe zu Geschwistern und Eltern.

Der Verlust dieses Vertrauens, aus welchem Grund auch immer, wird in der Regel als ein persönlicher großer Verlust empfunden, der sich nicht nur auf das Vertrauensverhältnis bezieht, sondern auch auf die Liebe zu diesem Menschen, die damit ebenfalls in Frage gestellt wird. Verlieren wir die Liebe eines Menschen, weil er sie uns entzieht, oder, weil wir ihm nicht mehr vertrauen, so geht das meist einher mit einer Art Trauergefühl. Wir leiden, weil wir etwas Wertvolles verloren haben.

Lieben kann man alles…

Ja, wirklich. Lieben kann man alles. Sein Auto, seinen Fußballverein, seinen Hund, Steak mit Pommes, seine Ehefrau, seinen Ehemann, Kinder, Freunde und sogar die Schwiegermutter. Ich glaube, dass es durchaus Menschen gibt, die die oben genannten Dinge und Menschen in ihrem Leben wirklich inständig lieben. Sie haben tiefe Gefühle für Gegenstände, Tiere oder Menschen. Wenn man sie fragt, so würden sie bestätigen, dass sie tatsächlich so etwas wie Liebe empfinden. Während man das bei Menschen verstehen kann, fällt es manch einem schwer zu akzeptieren, dass jemand seinen Fußballverein oder sein Auto liebt.

…aber widergeliebt wird man nicht von allem!

Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen „seelenlosen“ Dingen wie einem Auto oder einem Fußballverein (uuh, wenn ich dafür mal keine Schelte bekomme) und Menschen. Menschen können die Liebe erwidern. Autos nicht. Und Fußballvereine wohl auch nicht. Oder liebt dich dein Verein?

Trotzdem kann es eine gute Sache sein, wenn jemand Liebe für etwas empfindet, dass ihn nicht widerlieben kann. Es gibt seinem Leben einen besonderen Kick. Er kann damit vielleicht fehlende Gefühle für Menschen kompensieren. Außerdem können einen Dinge auch nicht so schnell enttäuschen, wie Menschen (mit Ausnahme des Fußballvereins). Und die Liebe zu Dingen lässt auch neue Gruppen unter Menschen entstehen, die dann neue Kontakte knüpfen können und eine gemeinsame „Liebe“ haben.

Auch eine unglückliche (nicht erwiderte) Liebe zu einem anderen Menschen kann ein besonderes Gefühl sein, dass unser Leben bereichert und uns besonders wertvoll wird. Denn zum einen werden wir auch dadurch geprägt für unser künftiges Leben, und auch in unserer Liebe zu anderen Menschen. Zum anderen ist es ein unbeschreibliches Verlangen, ein unbändiger Schmerz, ein seelischer Tiefgang, der uns erfüllt mit Trauer und Liebe und Glücksmomenten und ganz furchtbaren Qualen, der uns aber dem wirklichen Leben richtig nahe bringt. Denn wirkliches Leben erfordert Gefühle. Wirkliches Leben erfordert, dass wir uns unserer Umwelt, unserer Mitmenschen und unserer Befindlichkeiten bewusst werden. Das kann jedoch nur dann funktionieren, wenn wir in der Lage sind und die Zeit dazu haben intensiv unsere Gefühlswelt zu erforschen. Und Menschen, die einer unerfüllten Liebe nachtrauern, die leiden, die sich verzehren nach dem, was sie nicht bekommen können, die sind dazu in der Lage das Leben in all seinen Facetten (den wunderschönen und auch den schmerzvollen) zu „er-leben“.

Erfüllte Liebe ist erwiderte Liebe

Die wirklich erfüllte Liebe ist die erwiderte Liebe. Nur dann, wenn wir einen Menschen lieben und erfahren, dass dieser uns uneingeschränkt vertraut und wir das ebenfalls ihm gegenüber tun können, nenne ich es eine wahre, erfüllte Liebe. Liebe ist ein gegenseitiges Konto, bei dem niemand nachrechnet, ob es am Ende ausgeglichen ist, bei dem aber jeder der beiden davon ausgeht, dass dem am Ende so ist. Mal zahlt der eine etwas ein, mal der andere. Und keiner von beiden fragt, ob das denn so gerecht ist. Bei einer erfüllten Liebe hat jeder das Gefühl, dass er noch etwas geben kann. Und er hat kein schlechtes Gefühl, wenn er nimmt, denn der andere gibt es gerne und bietet es uns ja sogar an.

 

Die Botschaft ist klar. Nimm Dir was Du willst, ich gebe es gerne, weil ich darauf vertraue, dass Du nur das nimmst, was Du brauchst. Und ich weiß, wenn ich etwas von dir brauche, gibst Du es genau so gerne. Das erwarte ich nicht als Gegenleistung. Sondern das bietest Du mir freiwillig an, weil Du willst, dass es mir gut geht. Geben in einer erfüllten Beziehung ist eine Bereicherung für beide. Solange also nicht eine der beiden Seiten dieses Verhältnis ausnutzt und immer nur nimmt und nimmt, empfinden beide Parteien dieses Geben und Nehmen als einen Wertzuwachs für ihr Leben.

Zwei Dinge, die Dir helfen wahre Liebe kennenzulernen:

Sich selber lieben

Liebe Dich selbst. Menschen, die es nicht schaffen sich selbst so anzunehmen, wie sie sind, haben Probleme andere so anzunehmen wie sie sind. Lerne also, mit dem Typen oder der Lady im Spiegel zu leben. Akzeptiere Dich wie Du bist. Mit den guten und schlechten Seiten. Das heißt nicht, dass Du nicht versuchen kannst Dinge zu ändern. Aber versuche trotzdem Dich gern zu haben. Entdecke vor allem die guten, die netten, die schönen Seiten an Dir. Konzentriere Dich nicht auf das, was Dir nicht gefällt, sondern suche nach den Dingen, die toll an Dir sind. Und wenn Dir nichts einfällt, dann frage andere, was sie toll an Dir finden.

Erst wenn Du gelernt hast Dich selbst zu lieben, kannst Du vorbehaltlos andere in dein Leben lassen. Hab Vertrauen in dich selbst. Liebe Dich.

Liebe schenken

Jeder Vergleich hinkt. So auch mein Vergleich mit dem Konto weiter oben. Auf einem Konto wird gerechnet und aufgerechnet. In der Liebe eigentlich nicht. Das Konto der Liebe ist immer automatisch ausgeglichen aus der Sicht der Liebenden. Deshalb mein Rat: Wenn es um die Liebe geht, fange nicht an aufzurechnen. Liebe verschenkt man. Wer einen Menschen liebt, der vertraut ihm. Nicht ohne Grund gibt es den Ausdruck „Jemandem sein Vertrauen schenken“. Vertrauen kann man sich nicht verdienen. Vertrauen kann man sich nicht erkaufen. Vertrauen ist immer ein aktiver Akt dessen, der einem anderen vertraut.

Wer also wahre Liebe erleben will, der muss bereit sein anderen zu vertrauen. Verschenke Vertrauen. Verschenke deine Liebe. Nicht blindlings. Nicht mit der Gießkanne. Nicht ohne zu prüfen. Aber freigiebig und ohne nach dem Gegenwert zu fragen, den Du erhältst. Wer Liebe verschenkt, ohne sich Gedanken zu machen, was er dafür bekommt, fühlt sich schon dann bereichert, wenn er gibt.

Glücklich der Mensch, der beständig gibt und sich trotzdem keine Gedanken machen muss, ob noch genug da ist. Glücklich der Mensch, der gerne gibt und sich dadurch reicht beschenkt fühlt, dass es der andere gebrauchen kann.



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27 Apr 2009 | in glücklicher leben » | Kein Kommentar

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