Acht Kostbarkeiten (6) – Frieden

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von Axel Speitmann

Es ist erst einige Tage her, dass Tausende von Menschen bei den traditionellen Ostermärschen für Frieden demonstriert haben. Mal davon abgesehen, dass bei solchen Veranstaltungen sehr stark politische und nicht humanitäre Aspekte im Vordergrund stehen, ist es doch gut zu hören, dass überhaupt Menschen auf die Straße gehen und sich für den Frieden einsetzen. Das wir seit Ende des zweiten Weltkrieges als Nation in Frieden leben können, ist nämlich den meisten von uns inzwischen nicht mehr als etwas Besonderes bewusst. Menschen wie ich, die weder den Krieg selber noch die Jahre des Aufbaus nach dem Krieg miterlebt haben, haben in der Regel keinerlei Bezug zu dem Thema. Auch bedingt dadurch, dass wir eine mehr und mehr politisch uninteressierte Gesellschaft werden, befassen sich auch immer weniger jüngere Menschen mit den Ereignissen zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts.

Krieg ist surreal in unserer Welt

Die täglichen Schreckensnachrichten aus Krisengebieten in aller Welt, bewegen uns nicht wirklich. So sind so real oder irreal wie die Bilder der Love-Parade oder der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten. Man sieht es. Man ist dabei. Und kann doch im Fernsehsessel sitzen bleiben. Bilder aus Kriegsgebieten machen uns nicht mehr betroffen. Durch die Flut an Meldungen aus aller Welt, berührt uns das Schicksal der Menschen in den betroffenen Gebieten nicht mehr wirklich. Wir nehmen lediglich zur Kenntnis, dass dort etwas passiert. Und nur, wenn es uns direkt betreffen könnte, wirtschaftlich zum Beispiel, wenn sich Unruhen auf den Ölpreis auswirken, dann sind wir wirklich betroffen. Und wir fragen uns, warum man da nicht was machen kann und die Krisenregionen der Welt befrieden kann.

Befrieden. Wie sich das anhört. So wie bearbeiten oder beackern. Als wenn ein Krisengebiet nur umgepflügt werden muss und der Friedenssamen ausgesät und dann ist ein für alle Mal Ruhe. Schön wärs. Doch leider ist Frieden nicht so leicht machbar. Frieden gibt es nicht auf Rezept. Frieden kann man auch nicht erzwingen, auch wenn man das in der Geschichte schon verschiedene Male versucht hat. Frieden ist nicht eine Sache, die von außen übergestülpt werden kann. Nicht über eine Region, oder ein Volk oder eine Gruppe von Menschen. Frieden ist eine Sache, die von innen heraus kommen muss. Alle Beteiligten müssen friedfertig sein und bemüht sein Konflikte ohne Aggression beizulegen. Sonst kann kein Friede existieren.

Frieden im privaten Leben

Das wir hier in Deutschland seit so vielen Jahren Frieden haben ist ein besonderes Geschenk. Das können vor allem die beurteilen, die als deutsche Soldaten in Krisengebieten in Afrika und Asien eingesetzte werden. Oder die Menschen, die ihr Land verlassen haben, weil dort Krieg herrscht und sie politisch verfolgt werden. Frieden ist aber auch ein besonderes Gut im Kleinen. Das heißt im täglichen Umgang miteinander. Jeder, der schon einmal einen Nachbarschaftsstreit ausgefochten hat, und das ist nach Statistiken fast jeder zweite, weiß wie nervenaufreibend der tägliche Kleinkrieg sein kann. Oder Mobbing zwischen Kollegen. Ganz egal, ob diese Streitfälle letztlich vor dem Kadi enden, oder dauerhaft schwelen, oder irgendwann beigelegt werden können, sie binden unnötig unsere Energie und unsere Aufmerksamkeit. Und so manchen kosten sie viele Nerven und wenn es vor Gericht geht auch viel Geld.

Wer also Frieden hat, im Großen und im Kleinen, der führt ein angenehmeres Leben. Trotzdem nehmen wir das garnicht bewusst war, wenn es uns so gut geht. Erst, wenn der Zustand aufgehoben wird durch einen Streit oder wenn eine Person betroffen ist, die uns nahe steht, werden wir uns dessen manchmal bewusst. Was können wir eigentlich tun, damit wir Frieden in unserem Leben haben? Können wir Friedensbemühungen in den Krisenregionen der Welt unterstützen? Kann man eigentlich Friedfertigkeit trainieren?

 

Was macht uns aggressiv oder friedvoll?

Ob ein Mensch friedvoll ist oder nicht, dass ist sicherlich zu einem bestimmten Teil schon in seinem Wesen festgelegt, wenn er auf die Welt kommt. Jedoch spielt auch die Erziehung und die Vorbilder, die er als junger Mensch hat, eine große Rolle. Wächst jemand heran und erlebt, dass es in seinem Umfeld nur Streit und Kampf und Misstrauen gibt, so wird er dadurch sehr stark geprägt. Erlebt er dagegen eine friedvolle Atmosphäre, erfährt er Vergebung bei persönlichen Fehlern oder wird ihm beigebracht, dass er nicht immer seinen Willen durchsetzen muss, dann ist er einem friedlichen Leben viel näher. Das bedeutet nicht, dass Menschen, die in einem unfriedlichen Klima aufwachsen von vornherein schlecht sind. Sie haben nur schlechtere Startbedingungen.

Wer in seinem persönlichen Umfeld etwas für Frieden tun will, der sollte sich als allererstes einmal dessen bewusst werden, dass er Vorbild für die Menschen mit denen er zu tun hat ist, vor allem aber natürlich für Kinder. Wer Frieden in seinem Leben haben  will, sollte Frieden leben. Wenn man darüber hinaus etwas für den Frieden in der Welt tun will, dann sollte man aktiv werden. Nicht mehr nur vor dem Fernseher sitzen und den Kopf schütteln wenn sich andere Völker gegenseitig die Köpfe einschlagen. Aktiv werden heißt:  sich einsetzen gegen Ungerechtigkeit, sich verweigern gegen Ausbeutung, demonstrieren gegen politische oder religiöse Gewaltaktionen, unterstützen von Hilfsorganisationen, die die Bevölkerung in Krisenregionen versorgen. Friedensstifter hält es nicht mehr auf dem Sofa oder dem Fernsehsessel. Sie gehen raus, um zu helfen und aufmerksam zu machen auf das, was falsch läuft in der Welt.

Und, kann man Friedfertigkeit trainieren?

Man sagt, man könne Menschen nicht ändern, außer sie ändern sich selbst. Und das, wissen wir alle, ist nicht einfach. Aber ich glaube, man kann lernen friedfertiger zu sein. Zumindest kann man lernen Aggressionen besser zu kontrollieren und zu kanalisieren. Wenn man im Internet recherchiert nach Trainings zum Thema Friedfertigkeit, so stößt man häufig auf Kurse in Selbstverteidigungssportarten wie Aikido oder Karate. Ich finde diesen Ansatz sehr interessant. Obwohl ich selber noch keine dieser Kampfsportarten erlernt habe, habe ich doch schon oft gehört, dass die Konzentration auf sich selbst und Selbstdisziplin wesentliche Bestandteile dieses Sports sind. Außerdem habe ich gehört, dass gute Trainer ihre Schützlinge ermahnen zu Friedfertigkeit und vorsichtigem Umgang mit den erlernten Techniken. Ich kann mir gut vorstellen, dass mit Hilfe eines gezielten Trainings Aggressionen abgebaut werden können.

Doch Frieden kommt nicht nur von außen.

Er ist vor allem eine Geisteshaltung, die von innen heraus kommt. Friedvoll ist, wer zufrieden ist. Wer mit sich selbst und seinem Leben im Reinen ist, der kann auch mit anderen ohne Aggression zusammenleben. Zufriedenheit ist eine Kunst, die heute immer weniger Menschen beherrschen. In unserer Gesellschaft, die sehr stark durch Konsum und Besitz geprägt ist, ist mehr konsumieren und mehr besitzen Synonym für Glück und Zufriedenheit. Wer mehr besitzt und mehr konsumiert sollte per Definition also zufriedener sein. Sind wir aber leider nicht. Weil immer noch mehr geht und noch mehr und noch mehr. Und so lange wir nicht genug haben, werden wir nicht zufrieden. Erst, wenn wir mit dem, was wir haben genug haben, können wir auch zufrieden sein. Wer das erkannt hat, kann ruhig, gelassen und entspannt sein und… friedevoll.

Ein schönes Wort – eine schöne Vorstellung: voller Friede zu sein!

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19 Apr 2009 | in glücklicher leben, zufriedener leben » | Kein Kommentar

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