Acht Kostbarkeiten (5) – echte Freunde

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von Axel Speitmann

In der Fortführung meiner Artikelserie über die „acht Kostbarkeiten  schreibe ich heute über das Thema Freundschaft. Eine echte Freundschaft ist ein Schatz, eine wertvolle Kostbarkeit. Man merkt es erst dann, wenn man einen Freund verliert. Oft ist man sich der Tatsache, dass eine Freundschaft sehr wertvoll ist, nicht bewusst, weil eine echte Freundschaft immer ein Geben und Nehmen ist. In einer Freundschaft besteht nicht immer Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Jedoch ist Freundschaft auch immer eine Art selbstverständliche Verpflichtung für den Anderen.

Wer Freunde hat, der kann sich darauf verlassen, dass sie da sind, wenn er sie wirklich braucht. Freunde sind für einander da. Freunde helfen einander in der Not. Freunde halten zusammen im Guten und im Schlechten.

Soweit so gut. Aber Freunde sind keine Roboter. Sie reagieren menschlich. Sie sind eventuell auch mal eifersüchtig auf den Freund. Sie sind mal unzuverlässig oder mies gelaunt. Sie haben manchmal Wichtigeres zu tun, als mit uns rumzuhängen oder mit uns stundenlang Probleme am Telefon zu wälzen. Sie haben vielleicht gerade dann, wenn wir sie brauchen, selber Bedarf an Freunden, die für sie da sind. Und sie sind eben nicht immer da, wenn man sie am nötigsten braucht. Weil sie zum Beispiel am anderen Ende der Welt wohnen, oder weil sie gerade die neue Liebe entdeckt haben oder, oder, oder…Sie sind halt auch nur Menschen, wie wir. Und trotzdem sind sie unsere Freunde.

Aber vielleicht macht sie ja gerade das so sympathisch. Vielleicht haben wir uns ausgerechnet diesen Menschen als Freund auserkoren, weil er eben so ist wie wir. Weil er eben auch seine kleinen Schwächen hat. Und wir kennen sie. Denn wir kennen unseren Freund oder unsere Freundin. Manchmal besser, als sie sich selber kennen.

Warum echte Freunde so kostbar sind

Freundschaften dauern oft ein Leben lang. Wir lernen uns kennen, lernen uns schätzen und empfinden Zuneigung zueinander oder Wertschätzung. Oder wir merken, dass der Andere ein Stück von dem in unser Leben bringt, was bisher noch gefehlt hat. Was macht diese Menschen für uns so wertvoll? Nach welchen Kriterien wählen wir unsere Freunde? Wohlgemerkt, es geht hier nicht um Bekanntschaften, sondern um echte, tiefe Freundschaften, wie man sie in der Regel nur zu ganz wenigen Menschen entwickelt. Nicht ohne Grund können die meisten von uns ohne langes Zögern sagen, wer ihr bester Freund oder die beste Freundin ist, denn echte Freunde haben wir nicht viele.

Freundschaft ist vor anderem deshalb ein wertvolles Gut, weil wir viel in unsere Freunde investieren. Das machen wir in der Regel vollkommen unbewusst und ohne Zwang. Was wir investieren sind meist Zeit, Gefühle, Vertrauen und manchmal auch Geld. Wir geben all dies nicht in Erwartung eines Gewinns. Wir erwarten nicht, dass diese Investitionen einen Ertrag bringen. Eine Freundschaft ist wie eine Waage. Mal wirft man auf der einen Seite etwas in die Waagschale, mal nimmt man etwas heraus. Und der Freund macht es genauso. Die Waage ist somit immer in Bewegung und wahrscheinlich selten im Gleichgewicht. Die Erwartung ist, das in der Summer allen Geben und Nehmens ein ungefähres Gleichgewicht erreicht wird. Quasi automatisch. Es wird nicht gegeneinander aufgerechnet.

Dies gilt für beide Seiten. Also für unseren Freund oder unsere Freundin genauso wie für uns. Echte Freunde erwarten nicht, dass sie ihre Zeit mit dem Freund mit Gewinn zurück bekommen. Die Zeit selbst, die sie mit dem Freund verbringen, ist schon Gewinn für sie. Die Gefühle, die sie mit dem Freund oder der Freundin verbinden sind eine Bereicherung für ihr Leben. Das Vertrauen, das uns der Freund entgegenbringt, ist mehrfache Belohnung für unser selbst eingebrachtes Vertrauen dem Freund gegenüber.

Umso tiefer dann die Enttäuschung, wenn der Freund unser Vertrauen missbraucht. Oder, wenn der Freund plötzlich keine Zeit mehr für uns hat, weil er einen neuen Partner hat. Bei solchen Gelegenheiten wird uns meist erst so richtig schmerzlich bewusst, wieviel uns die Freundschaft bedeutet. Oder, wenn der Freund plötzlich verstirbt. Das schmerzt. Das ist ein wirklicher Verlust. Da merken wir wie dieser Mensch unser Leben bereichert hat, wie kostbar er für uns war.

 

Wie finde ich Freunde?

Gibt es einen Weg neue Freunde gezielt zu finden? Ich denke nicht. Freundschaft ist immer eine Sache, die zwei Menschen betrifft. Deshalb ist es vermessen zu denken, wir könnten es erzwingen, indem wir die richtigen Vorrausetzungen schaffen oder die richtigen Plätze aufsuchen, wo sich geeignete Kandidaten aufhalten. Das Einzige, was wir machen können, um anderen die Möglichkeit zu geben Freundschaften mit uns einzugehen, ist, dass wir offen sind für neue Erfahrungen und neue Menschen.

Freunde kann man an jedem Platz auf dieser Welt kennenlernen. Im Sandkasten, im Job, in der U-Bahn, beim Sport und an der Bushaltestelle. Aber man kann sich nicht einfach jemanden aussuchen und erwarten, dass dieser Mensch jetzt unser Freund wird. Das Empfinden, dass diese Beziehung zwischen zwei Menschen eine echte Freundschaft ist, ist etwas, das plötzlich da ist und dann weiter in uns wächst. Und das ist der Zeitpunkt, ab dem wir etwas für die Freundschaft tun können. Investieren! Zeit. Gefühl. Vertrauen. Und wenn nötig auch mal Geld.

Wenn eine solche Freundschaft über viele Jahre gewachsen ist, dann überdauert sie auch einmal Dürreperioden. So eine Freundschaft hält es aus, wenn der Freund oder die Freundin hunderte von Kilometern weit weg wohnt. Oder wenn der Freund plötzlich viel weniger Zeit hat. Oder die Freundin sich nicht mehr so häufig per Telefon meldet. Ich bin immer wieder verblüfft, bei mir selbst oder auch bei meinen Kindern mitzuerleben, wie selbstverständlich wir den Faden wieder aufnehmen, wenn wir Freunde treffen, die wir nicht so häufig sehen. Das ist ein tolles Gefühl, wenn du, ohne es zu erwarten, so reich belohnt wirst für die „Investitionen“, die Du einmal irgendwann in diese Freundschaft gemacht hast.

Freundschaft ist ein Geschenk. Ein Geschenk, des Menschen, der unser Freund sein will. Und wir können nur annehmen oder ablehnen, wie das mit Geschenken nun mal so ist. Aber wir können sie dem anderen nicht entreißen oder sie erpressen oder erkaufen. Heutzutage verwenden viele von uns den Begriff „Freunde“ für ihre „Bekannten“. Wir sollten sorgsamer umgehen mit dem Begriff „Freund“. Auch, wenn wir den einen oder anderen damit vielleicht vor den Kopf stoßen, wenn wir sie in Zukunft „nur noch“ als Bekannte bezeichnen, unsere wirklichen Freunde werten wir dadurch auf. Das ist das, was echte Freundschaft wertvoll macht. Man erkennt, was der Freund für einen bedeutet.



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7 Apr 2009 | in glücklicher leben » | Kein Kommentar

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