110 Prozent ist Quatsch

Foto von istockphoto.com

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von Axel Speitmann

Heute Morgen habe ich eine schöne Sache bei Larry Winget dem „Pitbull of Personal Development“ gelesen. In seinem Buch „Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich“ gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Nieder mit den Selbsthilfegurus“. In einem Abschnitt in diesem Kapitel geht er auf die Formel einiger Motivationsgurus ein, die fordern, dass du immer und überall 110 Prozent geben sollst, wenn Du es im Leben zu etwas bringen willst.

110 Prozent ist Quatsch sagt Larry Winget. 110 Prozent geht nicht. Das Maximum ist immer noch 100 Prozent und für die meisten Menschen scheint es ganz o.k. zu sein, wenn sie mit ihren alltäglichen Anstrengungen bei 60 Prozent liegen. Die meisten Menschen, so sagt er, arbeiten gerade einmal so viel, dass sie nicht entlassen werden. Wer sich der 100 Prozentmarke auch nur entfernt annähert, ist zu beglückwünschen, denn er gehört zu einer Minderheit.

Oh wie Recht er doch hat

110 Prozent ist tatsächlich absoluter Blödsinn. Wer von Dir 110 Prozent Anstrengung fordert, der gehört nochmal auf die Schulbank. Der hat die Grundregeln der Prozentrechnung nicht verstanden, der kann nicht logisch denken. Ganz egal, ob dein Chef von Dir 110 Prozent fordert, dein Trainer oder der Motivationsguru. Es ist Quatsch. Das kannst Du nicht.

100 Prozent, das ist das, was theoretisch möglich ist. In Ausnahmefällen, nicht im Alltag. Und auch nicht permanent. Wer permanent mit 100 Prozent seiner Möglichkeiten läuft, der brennt irgendwann aus. Der fängt sich einen menschlichen Kolbenfresser ein. Der ruiniert nicht nur sein Leben, seine Psyche, seinen Körper, sondern der verkürzt auch seine Lebenszeit ganz enorm.

Zeit für einen Ölwechsel

Körper und Geist brauchen Zeiten der Entspannung. Ruhephasen. Zeiten, wo wir eben nicht 100 Prozent geben. Sonst ist der Burnout vorprogrammiert. Wie ein Motor, der nicht permanent mit voller Last laufen kann und der hin und wieder eine Inspektion oder einen Ölwechsel braucht, brauchen auch wir diese Zeiten, in denen wir keine Belastung haben.

Warum fordern dann diese Motivationsgurus und vielleicht auch dein Chef von Dir 110 Prozent? Sind sie wirklich so dumm? Wahrscheinlich nicht. Ich kenne zwar deinen Chef nicht. Aber bei den meisten Menschen in solchen Positionen gibt es ja einen triftigeren Grund als dreißigjährige Betriebszugehörigkeit, warum sie diese Position bekleiden.


Der Grund, warum Chefs, Trainer und auch Motivationsgurus manchmal das „Unmögliche“ von uns verlangen, liegt wohl eher darin, dass sie entweder wissen, oder es intuitiv spüren, dass du, wie übrigens die meisten von uns, mit angezogener Handbremse fahren. Das heißt, sie sehen, dass du dich anstrengst. Vielleicht glauben sie, dass Du wirklich 100 Prozent gibst.

Fährst Du mit angezogener Handbremse?

Aber sie sehen auch das Ergebnis deiner Anstrengungen, und das liegt vielleicht nur bei 60 Prozent. Die angezogene Handbremse verhindert, dass deine ganzen Anstrengungen Wirkung zeigen. Du stehst Dir selbst im Weg. Du bist Dir dessen vielleicht gar nicht bewusst. Denn Du merkst ja, dass Du 100 Prozent gibst. Und das Ergebnis ist nicht anders als von Dir erwartet, da Du ja schon die ganze Zeit mit angezogener Handbremse fährst.

Die Frage, ob Dein Chef, dein Trainer, dein Guru ein menschenschindender, permanent unzufriedener Sklaventreiber ist, kann ich nicht beantworten. Wenn Du den Eindruck hast, er erwartet wirklich von Dir 110 Prozent, dann ist er ein Vollidiot, wie Larry Winget sagt. Und dann solltest Du dich ganz schnell von ihm verabschieden. Sowas färbt schnell ab, wenn man zu lange mit solchen Menschen zusammen ist.

Wenn du aber das Gefühl hast, jemand will dir sagen, dass dein Energieeinsatz und das resultierende Ergebnis in einem krassen Widerspruch stehen und er fordert 110 Prozent, damit dein Ergebnis ein bisschen näher an die 100 Prozent heran kommt, dann stempel ihn nicht als Schwachkopf ab. Suche vielmehr nach dem, was dich im Leben blockiert und verhindert, dass Du zu der Minderheit gehörst, die den 100 Prozent ein bisschen näher kommen als andere.



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6 Jul 2009 | in stressfreier leben » | Kein Kommentar

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