100.000 Spermien
von Axel Speitmann
…und Du warst der Schnellste?
Auch wenn dieser Satz aus dem Film „Vertical Limit“ bei vielen Kinobesuchern wohl eher für Heiterkeit gesorgt hat, ist es eine bemerkenswerte Aussage. Wenn man bedenkt, dass ein Spermium nicht nur in einem begrenzten Zeitfenster seiner „Haltbarkeit“, sondern auch in Konkurrenz zu all den anderen hunderttausenden Spermien seinen Weg zurücklegen muss und als erstes ans Ziel kommen muss, ist die Frage berechtigt. Warum gerade Du? War da kein Anderer, der vielleicht mit mehr Ellbogeneinsatz schneller vorankam (ok, ich weiß, dass Spermien keine Ellbogen haben. Aber trotzdem…) Du warst der Schnellste? Warum?
Wir sind gewiss nicht alle Leuchten. Und bei dem ein oder anderen drängt sich die zynische Frage förmlich auf. DU warst der Schnellste? Ausgerechnet Du? Und doch, er oder sie hat es geschafft. Auch wenn sie heute die absoluten Schnecken sind – im Denken, oder im Straßenverkehr, oder beim Sport – in diesem einen wichtigen Moment – eigentlich der wichtigste in unserem Leben – waren sie die Schnellsten. Da hatten hunderttausend andere das Nachsehen. Hunderttausend, die vielleicht so geworden wären, wie die, die sich jetzt über diesen Menschen lustig machen.
Mir sagt dieser Satz vor allem eines. Wir alle sind etwas Besonderes! Jeder von uns! Wir haben schon eine ganz besondere Leistung vollbracht, bevor wir überhaupt das Licht der Welt erblicken. Und so sollten wir auch unsere Mitmenschen sehen. Auch die, die vielleicht nicht so schnell oder schlau oder erfolgreich sind wie wir.
Sie haben unseren Respekt verdient, denn sie sind besser als hunderttausend andere. Keine Ahnung, warum das so war, aber es ist wert, darüber nachzudenken. Deshalb ist es sehr vermessen und kurzsichtig sich über andere Menschen lustig zu machen, oder sich für was Besseres zu halten.
Wer weiß: Wenn wir zur gleichen Zeit mit ihnen zu der einzigen verfügbaren Eizelle unterwegs gewesen wären, vielleicht hätten wir ja auch dieses Rennen verloren.
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Momentan absolviere ich das Sportabzeichen. Eine Erkenntnis ist, dass meine ehemalige Schnelligkeit scheinbar einer zunehmenden Erdanziehungskraft zum Opfer gefallen ist, die jährlich zunimmt. Mit 43 Jahren erlief ich mir jetzt eine sehr erklärungsbedürftige Zeit, wobei ich aber auch mehr mit dem nachgebenden Hosengummi beschäftigt war, als mit der Strecke. Trotzdem – ich scheine bereits auszurollen…
@ Ellen
Ach komm, mit 43 gehört man doch noch nicht zum alten Eisen. Da macht man das Sportabzeichen und flickt das Hosengummi nebenher. Oder geht einer anderen sinnvollen Beschäftigung nach. Lass Dir mit dem Ausrollen noch ein wenig Zeit. Es gibt eine Menge Dinge, die weitaus interessanter sind, als ein Hosengummi. Das solltest dir dir nicht entgehen lassen. Also halt noch ein bisschen durch!
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